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7.2 Vorsokratiker

Quelle: Themenpool §7 · Mitschrift §1.1

Thales von Milet (~600 v. Chr.) — der erste Philosoph

Er stellte zwei Grundfragen: „Woher kommt alles?" und „Woraus besteht alles?" — seine Antwort: Wasser (es kann fest, flüssig, gasförmig sein; durch Verdichten/Verdünnen entsteht alles andere).

Entscheidend ist die Methode: Thales suchte erstmals naturwissenschaftliche Erklärungen ohne Götter — z. B. Erdbeben dadurch, dass die Landscheibe auf schwingendem Wasser treibt. ✎ Eine bekannte Anekdote: Thales fällt beim nächtlichen Blick zu den Sternen in eine Grube und wird von einer thrakischen Magd ausgelacht — ein Sinnbild für das Verhältnis von Philosoph und Gesellschaft.

Abbildung: Welt-Modell von Thales — eine flache Landscheibe schwimmt auf einem Ozean; schwingt das Wasser, „wackelt" das Land (Erdbeben ohne göttliches Eingreifen).

Parmenides von Elea (~500 v. Chr.)

Frühe Form des Energieerhaltungssatzes: „Nichts entsteht aus dem Nichts, nichts wird zerstört." Konstanz heißt nicht, dass das Aussehen gleich bleibt, sondern dass das Endergebnis dasselbe ist. (✎ Moderne Ausnahme: das Quantenvakuum (auch der „leere" Raum ist nicht wirklich leer — laut Quantentheorie entstehen darin ständig kurzlebige Teilchen, die sofort wieder verschwinden) erlaubt kurzzeitige Verletzungen — widerlegt ihn aber nicht grundsätzlich.)

Zenon von Elea — Achill und die Schildkröte

Ein Paradoxon = richtige Annahmen, die zu einem falschen Schluss führen. Achill soll die Schildkröte nie einholen, weil sie jedes Mal, wenn er ihre alte Position erreicht, ein Stück weiter ist. Der Trugschluss: Die Summe immer kleinerer Strecken konvergiert — Achill holt sie sehr wohl ein. (✎ Fangfrage: „Brauchen unendlich viele Teilstrecken nicht unendlich viel Zeit?" — Nein: Auch die Zeiten für die Teilstrecken werden immer kürzer, und ihre Summe bleibt endlich, z. B. 1+12+14+=2. Unendlich viele Schritte ≠ unendlich viel Zeit.)

Abbildung: Achill (Start) und Schildkröte (Vorsprung) — die Summe der immer kleineren Teilstrecken konvergiert, der Schluss „nie einholen" ist falsch.

Demokrit von Abdera (ca. 460–370 v. Chr.)

Aus „Woraus besteht alles?" wird die Frage „Wie oft kann man teilen?" Zwei Möglichkeiten: bis zu einem unteilbaren Teilchen — dem Atom (gr. átomos = unteilbar) — oder unendlich oft. Heute weiß man: Das Atom ist teilbar (den Namen behielt man); die kleinste theoretische Einheit wären Strings (die hypothetischen Grundbausteine der Stringtheorie — keine punktförmigen Teilchen, sondern winzige eindimensionale „schwingende Fäden", deren verschiedene Schwingungen den verschiedenen Elementarteilchen entsprechen).

Epikur (~350 v. Chr.)

Atomist. Keine Angst vor dem Tod (wer tot ist, nimmt nichts wahr — wie im Schlaf) und keine Angst vor Göttern (sie existieren, kümmern sich aber nicht um uns). Atomismus und Atheismus liegen nahe beieinander — der Grund, warum die Kirche später den Idealismus (die Auffassung, dass die Welt neben der Materie auch einen unstofflichen Geist/eine Seele enthält und so Raum für ein „Leben nach dem Tod" lässt) (Aristoteles/Platon) bevorzugte.

Aristoteles — die Gegenposition

Horror vacui (kein Vakuum), geozentrisches Weltbild und die Lehre, dass jede Bewegung von selbst zur Ruhe kommt. ✎ Aristoteles erklärte den weiterfliegenden Wurf durch die antiperistasis (die nachströmende Luft schiebe nach); die Impetus-Theorie (ein innerer, sich verbrauchender Antrieb) ist die mittelalterliche Variante derselben Grundidee (v. a. Buridan, 14. Jh.) — beide werden von den Scholastikern vertreten (siehe §7.4 (3)). ✎ Außerdem teilte er die Welt in zwei Reiche: die sublunare Welt (auf der Erde — Entstehen und Vergehen, jede Bewegung kommt zur Ruhe) und die supralunare Welt (am Himmel — Himmelskörper aus dem fünften Element „Äther", ewige Kreisbewegung). „Bewegung hört von selbst auf" gilt also nur auf der Erde; die Himmelsbewegung dauert unerklärt ewig an. Genau wegen dieser „Zweiteilung der Welt" war es später eine Revolution, als Newton Apfel und Mond mit demselben Gesetz beschrieb — die „Vereinigung von Himmel und Erde" (siehe §7.5). Weil Aristoteles' Thesen mit der Kirchenlehre vereinbar waren, galten sie bis zum Ende des Mittelalters als richtig. Erst in der Renaissance wurden die Atomisten wieder relevant.

Frühe quantitative Leistung — Eratosthenes (~240 v. Chr.): Er maß als Erster den Erdumfang rein geometrisch. Zur Sommersonnenwende stand die Sonne in Syene (heute Assuan) mittags genau im Zenit (ein Brunnen war voll besonnt, kein Schatten), während sie im ~800 km nördlicheren Alexandria gleichzeitig einen Schattenwinkel von ~7,2° warf. Da 7,2°=150 des Vollkreises, ist der Erdumfang das 50-fache der Strecke Syene–Alexandria → ≈ 40 000 km (erstaunlich genau!). Das ist ein Musterbeispiel für Galileis späteres Prinzip „messbar machen, was nicht direkt messbar ist" — und zeigt, dass die Kugelgestalt der Erde schon in der Antike bekannt war.