2.2 Satellit auf einer Kreisbahn
Quelle: Themenpool §2 · Mitschrift §7.5
Grundidee
✎ Warum fällt ein Satellit nicht herunter? Er fällt ständig — nur ist er so schnell, dass die Erde unter ihm gleich schnell wegkrümmt. Er „verfehlt" den Boden immerzu. Das ist genau Newtons Gedanke vom Berg (siehe Gravitationsphysik).
Damit das stabil bleibt, muss die nach innen ziehende Kraft genau die Zentripetalkraft sein, die eine Kreisbahn verlangt. Diese Kraft ist hier die Gravitation:
Herleitung Schritt für Schritt
Schritt 1 — Ansatz aufschreiben. Wir setzen die beiden Kräfte ihren Formeln nach gleich: links die Zentripetalkraft
Schritt 2 — Satellitenmasse
Das ist der entscheidende Schritt: Weil die Satellitenmasse wegfällt, braucht ein Satellit auf einer bestimmten Bahn immer dieselbe Geschwindigkeit — egal wie schwer er ist. (Eine Feder und ein Lastwagen würden dieselbe Bahn gleich schnell durchlaufen.)
✎ Nachfrage: Präsident Eisenhowers Frage (1957). Nach dem Sputnik-Start fragte der US-Präsident seine wissenschaftlichen Berater: „Wir kennen Höhe und Bahngeschwindigkeit genau — können Sie daraus die Masse berechnen?" Die Antwort ist nein — gerade weil sich
auf beiden Seiten der Gleichung herauskürzt, steckt in den Bahndaten keinerlei Information über die Satellitenmasse. Die Masse lässt sich nur über eine Wechselwirkung bestimmen, z. B. durch einen Stoß mit einem Körper bekannter Masse und die Impulserhaltung.
Schritt 3 — nach
Schritt 4 — Wurzel ziehen. Um von
| Symbol | Bedeutung | Einheit |
|---|---|---|
| Bahngeschwindigkeit | m/s | |
| Gravitationskonstante | N·m²/kg² | |
| Masse des Zentralkörpers (z. B. Erde) | kg | |
| Bahnradius vom Zentrum des Zentralkörpers | m |
Wichtig:
Es gilt:
- Je höher die Bahn (größeres
), desto langsamer der Satellit. - Die Umlaufzeit folgt aus Bahnumfang ÷ Geschwindigkeit:
Rechenbeispiel ISS
Erdradius
✎ Die ISS umrundet die Erde also etwa 16-mal pro Tag — die Crew erlebt 16 Sonnenauf- und -untergänge täglich. (NASA: ISS Facts)
✎ Setzt man in
✎ Nachfrage: Warum müssen Satelliten überhaupt so hoch fliegen — weil oben die Gravitation schwächer ist? Nein. Hätte die Erde keine Atmosphäre (und keine Berge im Weg), könnte ein Satellit in Baumwipfelhöhe mit etwa
km/s umlaufen — die Höhe dient nur dazu, dem Luftwiderstand zu entkommen. In ISS-Höhe (400 km) beträgt die Gravitation noch etwa des Oberflächenwerts ( ). Die „Schwerelosigkeit" der Astronauten kommt also nicht von fehlender Gravitation, sondern daher, dass sie mit der Station zusammen im freien Fall sind — wie am Anfang dieses Abschnitts: Umlaufen ist ein Fallen, das den Boden nie erreicht.
✎ Nachfrage: das Wiedereintritts-Paradoxon (Sputnik, 1958). Als die dünne Atmosphäre den Satelliten durch Reibung abbremste, beobachtete man, dass er immer schneller wurde — warum? Die Reibung verringert die Gesamtenergie → der Satellit spiralt auf eine tiefere Bahn → nach
bedeutet kleineres ein größeres . Energiebilanz: Beim Absinken wird mehr potentielle Energie frei, als die Reibung verbraucht — der Überschuss wird zu kinetischer Energie. Die Reibung nimmt Energie weg; der Geschwindigkeitsgewinn kommt vom Fallen — „Reibung beschleunigt den Satelliten" ist nur der Anschein.