Strukturiert nach den 14 offiziellen Oberthemen. Quelle: Themenpool Physik – Pflichtgegenstand, Schuljahr 2025/2026, Schottengymnasium pg1, Klasse 8.a/8.b (Prof. Linhart). Stand: 16. Mai 2026
Übersicht der Oberthemen
| Nr. | Oberthema |
|---|---|
| 1 | Astronomie und Exobiologie |
| 2 | Raumfahrtphysik |
| 3 | Sonnensystem |
| 4 | Paradigmatische Experimente aus der Physik |
| 5 | Bewegungen |
| 6 | Physikalische Naturphänomene |
| 7 | Wissenschaftsgeschichte |
| 8 | Klassische Mechanik |
| 9 | Quantenphysik und Quantenoptik |
| 10 | Elementarteilchenphysik |
| 11 | Gravitationsphysik |
| 12 | Kernphysik |
| 13 | Optik und Wellenphänomene |
| 14 | Elektrodynamik |
1) Astronomie und Exobiologie
Exoplaneten
- Definition: Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Erster Nachweis 1995.
- Heutiges Bild: fast jedes Sonnensystem besitzt Planeten; Planeten auch in Mehrfachsternsystemen in habitabler Zone möglich.
Beobachtungsmethoden
- Transitmethode — Helligkeitsabfall beim Vorüberzug eines Planeten vor dem Stern. Hauptinstrument Kepler-Teleskop.
- Radialgeschwindigkeits-/Doppler-Methode — Stern und Planet umkreisen gemeinsamen Massenmittelpunkt. Blau-/Rotverschiebung.
- Gravitationslinsen-Methode — Masse des Sterns beugt Licht eines Hintergrundsterns; Planet liefert kleines Zusatzsignal. Sehr sensibel.
- Direkte Beobachtung — Messung der EM-Strahlung des Planeten selbst (z. B. James-Webb).
Exobiologie
- Habitable Zone: Bereich um Stern, in dem flüssiges Wasser möglich ist. Abhängig nicht nur von Temperatur, sondern auch von Atmosphärendruck.
- Spektroskopische Untersuchung der Atmosphäre: Linien zeigen vorhandene Moleküle.
- Biomarker: CO₂, H₂O, O₃, O₂, CH₄. Konstantes O₂ ist Hinweis auf Photosynthese. Ein Biomarker allein reicht nicht — viele Indizien nötig.
- Beispiele potenzieller Habitate: Eismond Europa, Enceladus, Mars (frühe Phase).
- Auf der Erde entstand Leben schnell nach Abkühlung unter 100 °C → Argument für Häufigkeit.
Planeten roter Zwerge
- Rote Zwerge ~3000 °C, sehr stabil → viel Evolutionszeit.
- Planeten meist in gebundener Rotation (eine Seite heiß, eine kalt).
- UV-Peaks der roten Zwerge → Pflanzen vermutlich schwarz (alle Frequenzen absorbieren) oder unter Wasser.
Photosynthese auf Exoplaneten
- Bei roten Zwergen: weniger Energie → schwarze Pflanzen.
- Bei blauen Riesen: Energieüberschuss → reflektierende Pflanzen.
2) Raumfahrtphysik
Satellit auf einer Kreisbahn
- Bedingung: Zentripetalkraft = Gravitationskraft.
- Rechenbeispiel ISS:
km, m → m/s, h.
Geostationärer Satellit
- Bedingungen:
h, Umlauf über dem Äquator, gleiche Winkelgeschwindigkeit wie Erdrotation. - Aus
und :
- Höhe über Erdoberfläche ~35 800 km.
- Anwendungen: Satellitenfernsehen, Telekommunikation, Wetter, Spionage.
Fluchtgeschwindigkeit
- Energieansatz:
→ , mit :
- Erde:
km/s. - Bahncharakter abhängig von Gesamtenergie:
→ gebundene Bahn (Kreis/Ellipse) → Parabel (genau ) → Hyperbel
3) Sonnensystem
Aufbau
- Innere Planeten (Merkur, Venus, Erde, Mars) = Gesteinsplaneten mit fester Oberfläche.
- Äußere Planeten (Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun) = Gasriesen; außen gasförmig, innen flüssig, Kern fest (hoher Druck).
Die Sonne
- Stern vom G-Typ, Oberflächentemperatur ~6000 °C.
- Kerntemperatur ~15 Mio °C.
- Zonen von innen nach außen: Kern → Strahlungszone → Konvektionszone → Photosphäre.
- Energietransport vom Kern braucht ~1 Mio. Jahre (Streuung).
- Sonnenflecken: kühlere Bereiche, entstehen wenn das Magnetfeld die Konvektion stört.
Proton-Proton-Zyklus (Hauptfusion der Sonne)
(β⁺-Zerfall, schwache Kraft) — selten.
- Netto:
. - Grundlage:
. - Unsere Sonne fusioniert bis Kohlenstoff (in roter-Riesen-Phase). Höhere Elemente brauchen mehr Energie.
Planeten im Detail
- Merkur: kaum Atmosphäre (schwache Gravitation, hohe Temperatur), Tag 400 °C, Nacht −150 °C, viele Meteoriteneinschläge.
- Venus: „Morgen-/Abendstern", ~500 °C wegen CO₂-Treibhauseffekt, 100-facher Luftdruck, Schwefelsäure-Regen, schwaches Magnetfeld, Schwerkraft 8,5 m/s². In ~60 km Höhe nur ~60 °C → Forschungsluftschiffe denkbar.
- Mars: 1/3 g, 1 % Luftdruck, Polkappen aus H₂O + CO₂, Olympus Mons (21 000 m), Monde Phobos & Deimos. Frühere Ozeane → durch Photolyse und Eisen-Rost-Bildung verschwunden.
- Jupiter: Kern Silikat/Metall, äußere Schichten flüssig/gasförmig. Metallischer Wasserstoff. 2,5-fache Erdgravitation, 1000-faches Magnetfeld. 63 Monde, vier galileische: Io, Europa, Ganymed, Callisto.
Galileische Monde (Auswahl)
- Io: Vulkanismus durch Gezeitenkräfte, flüssiger Schwefel, kaum Krater (junge Oberfläche).
- Europa: Eiskruste über Salzwasserozean (flüssig durch Gezeiten, Salz, Druck). Geysire, Unterwasservulkanismus → Lebenskandidat.
4) Paradigmatische Experimente
Rutherford-Experiment (6. Kl.)
- Frage: Wie ist das Atom aufgebaut?
- Versuch: Beschuss einer dünnen Goldfolie mit α-Strahlung (positiv geladene He-Kerne).
- Beobachtung: Die meisten Teilchen gehen durch; einige werden stark zurückgestreut.
- Schluss: Atomkern ist klein, schwer, positiv geladen; Atomhülle fast leer.
Cavendish-Experiment (8. Kl.)
- Ziel: Bestimmung der Gravitationskonstante
. - Aufbau: Torsionswaage — zwei kleine Kugeln an einem Faden, zwei große Kugeln nähern sich. Spiegel reflektiert Lichtstrahl → Drehwinkel sichtbar.
- Gleichgewicht:
(Hooke'sche Rücktreibkraft = Gravitationskraft). - Parallelmessung: Faden separat mit Federwaage geeicht → liefert
. - Ergebnis:
.
Millikan-Öltröpfchen-Experiment (7. Kl., mit Rechnung)
- Ziel: Existenz der Elementarladung
. - Phase 1 — Schwebephase: Elektrisches Feld so eingestellt, dass Tröpfchen schwebt.
- Phase 2 — Sinkphase (Spannung aus): Stokes-Reibung im Kräftegleichgewicht mit Gewichtskraft.
- Phase 3 — Analyse: Alle gemessenen Ladungen sind ganzzahlige Vielfache von
C. - Schluss: Die elektrische Ladung ist quantisiert.
Doppelspaltexperiment (Young 1801/02)
- Mit klassischen Teilchen (Kugeln): zwei Peaks, keine Interferenz.
- Mit klassischen Wellen (Wasser): Interferenzmuster mit Maxima/Minima.
- Mit Quantenobjekten (Photonen, Elektronen, Neutronen, Atome, Moleküle bis ~1000 Atome): auch bei Einzelphoton-Emission entsteht nach vielen Schüssen ein Interferenzmuster → Welle-Teilchen-Dualismus.
= Aufenthaltswahrscheinlichkeit. Vor Messung Superposition; Messung der Welcher-Weg-Information zerstört das Muster.
5) Bewegungen
Drei Bewegungsformen
1) Gleichförmig geradlinige Bewegung
konst., , . - Beschrieben durch 1. Newton'sches Axiom.
2) Gleichmäßig beschleunigte Bewegung
konstant. , . - Spezialfall freier Fall:
m/s², , .
3) Ungleichmäßig beschleunigte Bewegung
ändert sich (z. B. Fall mit Luftwiderstand). - Newton-Reibung
, Stokes-Reibung .
Physik im Straßenverkehr
- Vorbremsstrecke
während Reaktionszeit (Schrecksekunde ≈ 1 s) bei konstantem . - Bremsstrecke
ab Bremsbeginn bis Stillstand. - Aus
und :
- Quadratische Abhängigkeit: doppelte Geschwindigkeit → vierfache Bremsstrecke!
abhängig von Autotyp, Bremsen, Reifen, Fahrbahnzustand.
6) Physikalische Naturphänomene
Kosmische Strahlung (6. Kl.)
- Entdeckung Hess 1912: Strahlung nimmt mit der Höhe zu → Quelle im Weltall.
- Quellen: Sonne (solar), Supernovae, Neutronensterne, schwarze Löcher.
- Einteilung:
- Nach Quelle: solare kosmische Strahlung (Protonen + α), interstellare Strahlung.
- Nach Wechselwirkung: primäre Strahlung; sekundäre Strahlung (Kollision mit N₂/O₂, ~75 % Myonen).
- Schutzmöglichkeiten (z. B. Mars-Mission): gefrorenes Wasser, Magnetschild, unterirdische Quartiere.
SRT-Verbindung (Myonenproblem)
- Myonen (
s) müssten klassisch zerfallen bevor sie die Erde erreichen. - Lösung durch Zeitdilatation und Längenkontraktion:
Blitz und Gewitter (7. Kl.)
- Entstehung: Feuchte, sonnenerhitzte Luft steigt auf → Kondensation → Wolkenbildung → Ladungstrennung.
- Phasen:
- Spannungsaufbau Wolke ↔ Boden
- Leitblitz / Ionenkanal / Plasmakanal — unsichtbar, ionisierte Luftmoleküle
- Hauptblitz — sichtbar, fließt durch Ionenbrücke
- Donner — explosionsartige zylindrische Ausdehnung der Luft
- Auslöser: vermutlich kosmische Strahlung (Spannung allein reicht nicht).
Schallintensität
- Punktquelle:
- Linienquelle (Blitzkanal):
Exkurs EM-Wellen
- Beschleunigte Ladungen emittieren EM-Wellen; je stärker die Beschleunigung, desto höher die Energie.
- Im Blitz: bis Röntgen- und Gammastrahlung.
Blitzableiter
- Am höchsten Punkt; nicht 100 % Schutz (Absprungverhalten).
Interferenz an dünnen Schichten
- Phänomen: Schillern von Seifenblasen, Ölfilmen, Vergütungsschichten.
- Mechanismus: Reflexion an Ober- und Unterseite der Schicht.
- Konstruktiv:
; destruktiv: . - Phasensprung von
bei Reflexion am optisch dichteren Medium. - Anwendungen: Antireflexbeschichtungen auf Brillen, Kameras, Solarzellen; Schmetterlingsflügel (Strukturfarben).
7) Wissenschaftsgeschichte
Vorsokratiker (Anfang 6. Kl.)
- Thales von Milet (~600 v. Chr., „erster Philosoph"):
- Fragen: „Woher kommt alles?" / „Woraus besteht alles?" → Antwort: Wasser.
- Erste naturalistische Erklärung von Naturkatastrophen (ohne Götter).
- Parmenides von Elea (~500 v. Chr.):
- Nichts entsteht aus dem Nichts; nichts wird zerstört.
- Frühe Form des Energieerhaltungssatzes.
- Zenon von Elea:
- Paradoxon „Achilles und die Schildkröte" — richtige Annahmen, falscher Schluss.
- Demokrit von Abdera:
- Atom = unteilbarer Baustein (gr. átomos).
- Heute weiß man: Atome sind teilbar; theoretisch kleinste Einheit = Strings.
- Epikur (~350 v. Chr.):
- Atomist; keine Angst vor Tod oder Göttern.
- Atomismus ↔ Atheismus liegen nahe beieinander.
Galilei vs. Scholastiker — die vier Streitpunkte (8. Kl.)
(1) Streit um das Nichts (Vakuum)
- Atomisten / Galilei: Vakuum existiert (Welt = Atome + leerer Raum).
- Aristoteles / Scholastiker: Horror vacui — Natur duldet kein Vakuum.
- Beweis 12 Jahre nach Galileis Tod (Vakuumpumpen).
(2) Wie fallen Gegenstände zu Boden?
- Aristoteles: schwerer = schneller.
- Galilei: alle Körper fallen im Vakuum gleich schnell.
- Widerspruchsbeweis mit drei Körpern A (schwer), B (leicht), C = A+B → Aristoteles widerspricht sich selbst.
(3) Hört bewegter Körper von selbst auf?
- Aristoteles: ja — Impetus-Theorie; Impetus wird aufgebraucht.
- Galilei: nein. Halfpipe im Vakuum ohne Reibung → unendliche Bewegung.
- Vorform des 1. Newton'schen Axioms.
(4) Relativität der Bewegung
- Keinen absoluten Bewegungszustand. Zwischen Ruhe und gleichförmiger Bewegung kein physikalischer Unterschied.
- Turmargument: Stein vom Turm fällt senkrecht von Erde aus gesehen, obwohl die Erde rotiert.
Weltbilderstreit (Kopernikanische Wende)
| Person | Modell / Beitrag |
|---|---|
| Aristoteles | geozentrisch, Kreisbahnen, Fixsternsphäre |
| Ptolemäus (87–165) | Epizykel-Theorie zur Rettung des geozentrischen Modells |
| Kopernikus (1473–1543) | heliozentrisch (hypothetisch), immer noch Kreisbahnen |
| Galilei (1564–1642) | apodiktisch heliozentrisch; Teleskop, Jupitermonde, Sonnenflecken, Mondkrater |
| Giordano Bruno (1548–1600) | unendliches Universum, viele bewohnte Welten |
| Tycho Brahe | Hybridmodell; Datenbasis für Kepler |
| Kepler (1571–1630) | heliozentrisch + Ellipsenbahnen, 3 Gesetze |
| Newton (1643–1727) | klassische Gravitation, Vereinheitlichung Himmel/Erde |
| Einstein (1915) | ART: Gravitation = Raumkrümmung |
Galileis Beobachtungen gegen Aristoteles
- Vier Jupitermonde (Io, Europa, Ganymed, Callisto) — nicht alles dreht sich um die Erde.
- Sonnenflecken — Himmel nicht perfekt.
- Mondoberfläche mit Kratern und Gebirgen — kein makelloser Himmelskörper.
Galileis Wissenschaftsverständnis
- Einführung des Experiments (≠ Naturbeobachtung).
- Kriterien für ein Experiment: Reproduzierbarkeit, Objektivierbarkeit, Quantifizierbarkeit.
- Prinzip: „Alles messen, was messbar ist, und messbar machen, was es nicht direkt ist."
Laplace (1749–1827) und der radikale Mechanismus
- Laplace'scher Dämon: Wer alle Orte, Geschwindigkeiten und Energien kennt, könnte Vergangenheit/Zukunft berechnen.
- Heute widerlegt durch Quantenphysik (Heisenberg, Quantenzufall).
8) Klassische Mechanik
Die drei Newton'schen Axiome
- Trägheitssatz: Ohne resultierende Kraft → Ruhe oder gleichförmig geradlinige Bewegung. Definiert Inertialsystem. Alle Inertialsysteme gleichberechtigt.
- Foucault'sches Pendel: Schwingungsebene ≈ Inertialsystem.
- Kraftgesetz:
. Drei Fälle: konst., konst., konst. - Wechselwirkungsprinzip (Actio = Reactio):
. Kräfte treten paarweise auf.
Masse und Dichte
- Träge Masse
: Widerstand gegen Beschleunigung. - Schwere Masse
: Eigenschaft, durch Gravitation anzuziehen. - Äquivalenz
→ freier Fall unabhängig von Masse. - Dichte
.
Massenmittelpunkt
- Punkt, in dem die gesamte Masse vereinigt gedacht werden kann.
- Bei konstanter Bewegung beschreibt der MM eine gerade Bahn.
Hooke'sches Gesetz + Experiment (Federkonstante)
- Experiment: Masse anhängen, Auslenkung messen, im Gleichgewicht
:
- Beispiel: 250 g → 1 cm Dehnung →
N/m. - Spannungsarbeit:
.
Arbeit, Leistung, Energie
- Arbeit:
(Skalarprodukt), Einheit Joule. Max. bei , min. bei . - Leistung:
, Einheit Watt. 1 kWh = 3{,}6 · 10⁶ J. - Kinetische Energie:
(relativ zur Beobachterposition). - Potentielle Energie:
(homogen) bzw. (Gravitationsfeld). - Energieerhaltungssatz:
konst. im abgeschlossenen System. - Beispiel freier Fall:
. - Verkehrsmaschine-Beispiel: Flugzeug 66 400 kg, 946 km/h, 11 867 m Höhe →
J, J → größer.
Impuls und Drehimpuls
- Impuls:
(Vektor, relativ). - Impulserhaltungssatz:
konst. im abgeschlossenen System. - Drehimpuls:
, in der Regel konstant.
9) Quantenphysik und Quantenoptik
Emission und Absorption (mit Rechenbeispielen)
- Energie eines Photons:
, Js. - Quantensprünge: Atom absorbiert/emittiert Photon mit passender Energie → Linienspektren.
Photoeffekt
- UV-Licht schlägt Elektronen aus Zinkplatte; sichtbares Licht nicht — auch bei hoher Intensität.
- Klassische Wellentheorie versagt (
, Einschwingzeit). - Quantenerklärung (Einstein 1905):
mit
- Drei Fälle:
(nichts), ( ), (Restenergie als ). - Schulversuch: negativ aufgeladene Zinkplatte wird durch UV-Licht entladen.
Doppelspaltexperiment (Quanten-Sicht)
- Auch bei Einzelphoton-Emission entsteht nach vielen Schüssen Interferenzmuster.
- Photon „nimmt beide Wege" → interferiert mit sich selbst.
= Aufenthaltswahrscheinlichkeit. - Superposition zerfällt bei Messung (Welcher-Weg-Information zerstört das Muster).
Dekohärenz und Schrödingers Katze
- Dekohärenz: Bei Messung „kollabiert" die Wellenfunktion auf einen Eigenzustand.
- Je mehr Teilchen, desto kürzer die Dekohärenzzeit.
- Schrödingers Katze: Katze + radioaktives Isotop + Mechanismus in geschlossener Box. Vor Beobachtung formal in Superposition tot/lebendig.
Schwingende Spiegel (Aspelmeyer, Universität Wien)
- Makroskopische Quantenoptomechanik.
- Winziger Spiegel an einer Aufhängung wird mit Laserlicht bis nahe absoluter Nullpunkt abgekühlt → in Quantengrundzustand.
- Spiegel kann in Superposition zweier Schwingungszustände sein.
- Test der Grenze Quanten/klassische Physik; mögliche Hinweise auf Gravitation auf Quantenebene.
Heisenberg'sche Unschärferelation
- Fundamentales Prinzip der Natur, keine Messungenauigkeit.
- Ort und Impuls (bzw. Energie und Zeit) können nicht gleichzeitig beliebig genau gemessen werden.
Absoluter Nullpunkt
K °C. - Theoretisch tiefste Temperatur, nicht erreichbar (3. Hauptsatz der Thermodynamik).
- Nullpunktsenergie bleibt → direkte Folge der Unschärferelation.
Laplace'scher Dämon (Widerlegung durch Quantenphysik)
- Klassisches Gedankenexperiment des radikalen Mechanismus.
- Widerlegt durch Heisenberg'sche Unschärferelation + Quantenzufall des radioaktiven Zerfalls.
Drei Bereiche der Optik
| Bereich | Bedingung | Photonen | Energie/Photon |
|---|---|---|---|
| Geometrische Optik | viele | klein | |
| Wellenoptik | viele | klein | |
| Quantenoptik | beliebig | wenige | hoch |
11) Gravitationsphysik
Klassische Gravitationstheorie (Newton)
Gedankenexperiment vom Berg: Stein vom Berg geworfen → bei genügender Geschwindigkeit Umlaufbahn. Vereinheitlichung von Himmels- und Erdbewegung.
Gravitationsgesetz:
Gravitationsfeldstärke:
- An der Erdoberfläche:
m/s². - Auf dem Mond:
m/s² (1/6 g).
Die drei Kepler'schen Gesetze
1. Gesetz: Planeten bewegen sich auf Ellipsenbahnen, in deren gemeinsamem Brennpunkt die Sonne steht.
- Brennpunkte
; Exzentrizität ; Perihel (sonnennächster Punkt), Aphel (sonnenfernster). - Große Halbachse
, kleine Halbachse .
2. Gesetz: Der Radiusvektor von der Sonne zum Planeten überstreicht in gleichen Zeiten gleiche Flächen.
- Folge der Drehimpulserhaltung:
konst.
3. Gesetz (mit Herleitung und Rechnung):
- Herleitung:
, , → ; Kreis → Ellipse: . - Für ein bestimmtes Sonnensystem ist der Wert von
für alle Planeten gleich; hängt von der Sonnenmasse ab.
Allgemeine Relativitätstheorie (Einstein 1915)
- Äquivalenzprinzip: Kein Experiment unterscheidet zwischen konstant beschleunigtem System und Ruhe im Gravitationsfeld.
- Gravitation = Raumkrümmung durch Masse.
- ART beschreibt auch beschleunigte Systeme (im Unterschied zur SRT).
Drei klassische Effekte der ART
1) Periheldrehung des Merkur
- Perihel verschiebt sich um wenige Bogensekunden pro Jahr.
- Klassisch nicht erklärbar; ART: Gravitationsfeld der Sonne hat selbst Energie/Masse.
2) Lichtablenkung im Gravitationsfeld
- 1919 von Arthur Eddington bei Sonnenfinsternis bestätigt.
- Sterne erscheinen nahe der Sonne nach außen verschoben.
3) Gravitationswellen
- Beschleunigte Massen erzeugen Wellen in der Raumzeit, die sich mit
ausbreiten. - Analogie Maxwell:
EM-Wellen. - Indirekter Nachweis (Hulse-Taylor-Pulsar): Doppelsystem verliert Energie gemäß ART-Vorhersage.
- Direkter Nachweis (LIGO 2015): Verschmelzung zweier schwarzer Löcher; Messung von Längenänderungen ~10⁻¹⁸ m mittels Interferenz.
Schwarze Löcher
- Definition: an der Oberfläche
; am Ereignishorizont . - Schwarzschildradius (mit Herleitung aus
):
- Beispiel Erde:
m. - Zwei Typen:
- Astrophysikalische schwarze Löcher (aus Supernovae).
- Mikro-Löcher (Test der Stringtheorie, kurz lebig durch Hawking-Strahlung).
- Nachweis: Akkretionsscheibe (EM-Strahlung), erstes Bild M87* (EHT 2019), SgrA* (2022), Gravitationslinsen / Einstein-Ringe.
- Wurmlöcher: theoretisch in der ART, nicht belegt.
12) Kernphysik
Atom-Aufbau und Periodensystem
- Ordnungszahl Z = Anzahl Protonen im Kern.
- Neutronenzahl N.
- Nukleonenzahl A = Z + N.
- Isotope: gleiches Z, unterschiedliches N.
- Ionen: Atome mit veränderter Elektronenzahl (positiv = Mangel; negativ = Überschuss).
Standardmodell der Elementarteilchen
Fermionen (halbzahliger Spin):
- Quarks (6): up (
), down ( ), charm, strange, top, bottom. - Leptonen (6): Elektron, Myon, Tau, plus drei Neutrinos.
Quark-Aufbau:
- Proton (uud):
- Neutron (udd):
Bosonen (ganzzahliger Spin, Austauschteilchen):
| Wechselwirkung | Stärke | Reichweite | Austauschteilchen |
|---|---|---|---|
| Stark | 1 | ~10⁻¹⁵ m | Gluonen |
| Elektromagnetisch | ~10⁻² | unendlich | Photonen |
| Schwach | ~10⁻⁵ | sehr klein | W⁺, W⁻, Z |
| Gravitation | ~10⁻³⁹ | unendlich | Graviton (hypothetisch) |
Higgs-Boson: verleiht Masse über Higgs-Feld; 2012 am CERN nachgewiesen. Antimaterie: Annihilation
Forschung am CERN / LHC
- Aufbau: Synchrotron (Ringbeschleuniger), 4 Detektoren (ATLAS, CMS, ALICE, LHCb).
- Forschungsziele:
- Dunkle Materie (erklärt überhöhte Galaxierotation).
- Dunkle Energie (beschleunigte Expansion).
- Higgs-Theorie (2012 bewiesen).
- Quark-Gluonen-Plasma (freie Quarks bei extremen Energien).
- Supersymmetrie (SUSY), WIMPs / Neutralino.
- Mini-schwarze-Löcher (Test der Stringtheorie).
Radioaktivität — die vier Strahlungsarten
| Strahlung | Zusammensetzung | ΔZ | ΔA | Ursache |
|---|---|---|---|---|
| α | He-Kern | −2 | −4 | zu schwer |
| β⁻ | Elektron | +1 | 0 | zu viele Neutronen |
| β⁺ | Positron | −1 | 0 | zu viele Protonen |
| γ | EM-Strahlung | 0 | 0 | zu viel Energie |
- β⁻ auf Quark-Ebene:
, d. h. . - β⁺:
, d. h. .
Nuklidkarte (Farbcode)
| Farbe | Bedeutung |
|---|---|
| Gelb | zu viele Nukleonen (α) |
| Blau | zu viele Neutronen (β⁻) |
| Rot | zu viele Protonen (β⁺) |
| Weiß | zu viel Energie (γ) |
| Schwarz | stabil |
Halbwertszeit und Zerfallsgesetz
Rechenbeispiele:
- O-15 (
min) nach 13 min → ~1{,}18 %. - Sr-90 (
a) nach 36 a → ~43{,}77 %. - I-131 (
d) nach 40 d → ~3{,}13 %.
Geiger-Müller-Zählrohr
- Ionisierung im Zählrohr → Stromfluss → Messung der Strahlungsintensität.
Strahlenschutz (3 A's)
- Aufenthaltszeit minimieren.
- Abstand maximieren (
). - Abschirmung: Blei, Bleiglas, Stahlbeton.
Kosmische Strahlung (Kurzverweis, siehe Thema 6)
- Inkl. SRT-Argument (Myonen, Zeitdilatation).
C-14-Methode (Radiokarbonmethode)
entsteht in der Atmosphäre aus durch kosmische Strahlung. - Lebende Organismen: konstantes Verhältnis
. - Tot: Zerfall mit
Jahren. - Altersbestimmung organischer Funde bis ~50 000 Jahre.
Positronenemissionstomographie (PET)
- Patient erhält β⁺-Strahler (z. B. O-15, F-18 in Glukose-Analog).
- Positron annihiliert mit Elektron → zwei γ-Quanten im 180°-Winkel.
- Ringdetektor registriert Koinzidenz → Schnittpunkt.
- Mindestens 4 γ-Quanten (2 Annihilationen) für einen Bildpunkt.
- Anwendung: Hirnforschung, Onkologie, Stoffwechsel.
13) Optik und Wellenphänomene
Geschichte des Lichts bis zum Photoeffekt
Newton vs. Huygens (klassische Theorien)
| Newton (Korpuskeltheorie) | Huygens (Wellentheorie) |
|---|---|
| Lichtatome mit | Klassische Welle |
| Reflexion und Brechung erklärbar | Reflexion, Brechung, Beugung |
| Lokalisiert, Helligkeit quantisiert | Ausgedehnt, Helligkeit stetig |
| Kein Medium nötig | Medium = Äther (später widerlegt) |
Schlüssel-Etappen:
| Jahr / Person | Beitrag |
|---|---|
| 1801/02 Young | Doppelspaltexperiment → Welle |
| 1856 Foucault | |
| 1860 Maxwell | Licht = EM-Welle, Vereinigung E-Mag und Optik |
| 1888 Hertz | Erzeugung von Mikrowellen, experimenteller EM-Wellen-Nachweis |
| 1900 Marconi | transatlantische Funkverbindung |
| 1900 Planck | |
| 1905 Einstein | Photoeffekt → Photonen → Welle-Teilchen-Dualismus |
| heute | QED |
Photoeffekt — Schulversuch
- Negativ aufgeladene Zinkplatte wird mit UV-Licht bestrahlt → Elektronen werden ausgelöst → Platte entlädt sich.
- Sichtbares Licht (auch hell) zeigt den Effekt nicht.
- Erklärung Einstein:
.
Grundlagen der Wellenphysik
- Elongation
: Auslenkung an einer Stelle. - Amplitude
: maximale Auslenkung. - Wellenlänge
: Abstand zweier Punkte gleichen Schwingungszustands. - Frequenz
(Hz), Schwingungsdauer (s). - Ausbreitungsgeschwindigkeit
.
Zentrale Formeln:
Beispiel UKW 88{,}6 MHz:
Wellentypen
- Transversalwellen (Auslenkung ⊥ Ausbreitung): EM-Wellen, Wasserwellen, Federwellen.
- Longitudinalwellen (Auslenkung ∥ Ausbreitung): Schallwellen.
Interferenz und Beugung
- Interferenz: Überlagerung von Wellen.
- Konstruktiv:
. - Destruktiv:
.
- Konstruktiv:
- Beugung: Abweichung der Wellenausbreitung von der Geradlinigkeit am Spalt oder Hindernis.
- Spezialfall: Interferenz an dünnen Schichten (siehe Thema 6).
Welle-Teilchen-Entsprechung
| Wahrnehmung | Welle | Teilchen |
|---|---|---|
| Farbe | Frequenz | Photonenenergie |
| Helligkeit | Amplitude | Anzahl Photonen |
14) Elektrodynamik
Geschichte der Elektrizitätsforschung
| Jahr / Person | Beitrag |
|---|---|
| Antike (~600 v. Chr.) | Bernstein (Reibungselektrizität), Magnetsteine in Magnesia |
| 1650 | Influenzmaschine (erste, blitzartige Stromquelle) |
| 1752 Franklin | Blitzableiter |
| 1780 Galvani | Froschschenkel-Experiment |
| 1800 Volta | erste Batterie (zuverlässige Stromquelle) |
| 1820 Ørsted | Strom erzeugt Magnetfeld |
| 1831 Faraday | elektromagnetische Induktion |
| 1860 Maxwell | Vereinigung E-Mag und Optik |
| 1888 Hertz | EM-Wellen-Nachweis |
| ~1900 Marconi | transatlantischer Funkverkehr |
| heute | QED (Quantenelektrodynamik) |
Elektrische Ladung
- Symbol
, Einheit Coulomb (C). - Quantelung:
, C. - Quark-Drittelladungen messbar nur indirekt (Confinement).
- Ladungserhaltungssatz: Summe der Ladungen konstant; z. B. β⁻-Zerfall:
, Gesamtladung 0.
Coulomb-Gesetz
Stromarten / Stromleitung
- Metall: Elektronengas + positive Atomrümpfe; bewegliche Leitungselektronen.
- Elektrolyt: Ionenleitung in Flüssigkeiten/Lösungen.
- Gas: Gasentladung (Blitz, Leuchtstoffröhre).
- Halbleiter: dotiertes Si/Ge, Elektronen- und Löcherleitung (Diode, Transistor, Solarzelle).
- Vakuum: Glühelektronen (Kathodenstrahlröhre).
- Supraleiter (siehe unten).
Stromrichtungen:
- Technische: + → − (historisch, falsch).
- Physikalische: − → + (Elektronen).
Grundgrößen und Ohm'sches Gesetz
| Größe | Symbol | Einheit | Formel |
|---|---|---|---|
| Stromstärke | A | ||
| Spannung | V | ||
| Widerstand | Ω | ||
| Leistung | W |
Ohm'sches Gesetz:
Experiment zum Ohm'schen Gesetz:
- 5 Spannungswerte einstellen, jeweils
messen → lineare Kennlinie. - Beispielmessreihe (R = 100 Ω): U/I-Paare
, … mA.
Spezifischer Widerstand
abhängig von Metall und Temperatur. - Begründung: längerer Draht → mehr Stöße; dünnerer Draht → weniger Platz; heißeres Metall → heftigere Atombewegung.
Experiment: Temperaturabhängigkeit (Glühbirne)
- Indirekte Messung (heiß im Betrieb):
V, A → Ω. - Direkte Messung (kalt, Ohmmeter):
Ω. - Schluss: Widerstand wächst mit Temperatur.
Supraleitung
- Unterhalb der Sprungtemperatur
verschwindet der elektrische Widerstand vollständig. - Meißner-Ochsenfeld-Effekt: Magnetfelder werden aus dem Inneren verdrängt.
- Klassische Metallsupraleiter (Hg, Pb, Nb):
wenige K, Helium-Kühlung. - Keramische Hochtemperatursupraleiter (Metall-Sauerstoff-Verbindungen, z. B. YBCO):
K → Stickstoff-Kühlung reicht, viel günstiger. - Anwendungen: Quantencomputer, MRT/Kernspintomographie, CERN/LHC, Weltraumforschung, Maglev-Züge.
Stromsicherheit
| Stromstärke | Wirkung |
|---|---|
| 1 mA | Wahrnehmungsschwelle |
| 10 mA | Loslassschwelle |
| 80 mA | Lebensgefahrschwelle |
Anhang — Wichtige Konstanten
| Symbol | Wert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Lichtgeschwindigkeit im Vakuum | ||
| Gravitationskonstante | ||
| Erdbeschleunigung | ||
| Planck-Konstante | ||
| reduzierte Planck-Konstante | ||
| Elementarladung | ||
| el. Feldkonstante | ||
| Elektronenmasse | ||
| Protonenmasse | ||
| Sonnenmasse | ||
| Erdmasse | ||
| Erdradius |