13.1 Geschichte des Lichts
Quelle: Mitschrift §6.1
Ausgangsfrage: Was ist Licht? Lange standen sich zwei klassische Theorien gegenüber:
| Newton (Korpuskeltheorie) | Huygens (Wellentheorie) |
|---|---|
| Licht = kleine Teilchen mit | Licht = klassische Welle |
| erklärt Reflexion, Brechung | erklärt Reflexion, Brechung, Beugung |
| lokalisiert (das Teilchen hat einen genauen Ort), Helligkeit „quantisiert" (1, 2, N Teilchen) | ausgedehnt (nicht auf einen Punkt beschränkt), Helligkeit stetig (Amplitude — zwischen zwei Helligkeiten liegen unendlich viele weitere) |
| kein Medium nötig | Medium = „Äther" (ein hypothetisches, alles durchdringendes Medium, in dem sich Lichtwellen ausbreiten sollten — analog zu Luft beim Schall; später widerlegt) |
Schlüssel-Etappen:
| Jahr / Person | Beitrag |
|---|---|
| 1801/02 Young | Doppelspalt (→ [[themen/Paradigmatische Experimente/4.4#4.4 Doppelspaltexperiment (Young 1801/02) |
| 1856 Foucault | |
| 1860 Maxwell | Licht = EM-Welle, Vereinigung von E-Mag und Optik (historisch 1861–65; hier wie in Themenpool/Mitschrift: 1860) → [[themen/Elektrodynamik/14.1#14.1 Kurze Geschichte der Elektrizität |
| 1888 Hertz | erzeugt Mikrowellen nach Maxwells Theorie — experimenteller EM-Wellen-Nachweis (Versuche 1886–88) |
| 1900 Marconi | erste transatlantische Funkverbindung — praktische Nutzung der EM-Wellen (historisch 1901; Themenpool: ~1900) |
| 1900 Planck | |
| 1905 Einstein | Photoeffekt → Photonen → Welle-Teilchen-Dualismus |
| heute | QED (Quantenelektrodynamik — die heutige Quantenfeldtheorie der Wechselwirkung von Licht und geladener Materie) |
✎ Warum sagen die zwei Theorien Gegenteiliges über
in Glas voraus? Das war der entscheidende „Schiedsrichter"-Test.
- Newton (Teilchen): Glas zieht die Lichtteilchen beim Eintritt an und beschleunigt sie senkrecht zur Oberfläche → sie würden im Glas schneller (
). Zur Brechung zum Lot hin passt das nur, wenn das Licht schneller wird. - Huygens (Welle): Jeder Punkt einer Wellenfront ist Ausgangspunkt einer neuen Elementarwelle. Im dichteren Medium laufen diese langsamer → die Front knickt zum Lot, und
. - Entscheidung: Foucault maß 1856 direkt, dass Licht in Wasser langsamer ist → Huygens hatte recht, Newton lag falsch. (Heute: Im Medium bremst die Wechselwirkung mit den Atomen das Licht —
, Brechzahl .)
✎ Warum konnte nur die Welle die Beugung erklären? Teilchen fliegen geradeaus; sie können nicht „um eine Ecke" hinter einen Spalt gelangen. Wellen dagegen breiten sich hinter einer engen Öffnung kreisförmig aus (siehe §13.5) — Young sah genau das (Doppelspalt-Interferenz). Wirklich entscheidend sind dabei die dunklen Streifen: An manchen Stellen ergibt „Licht + Licht = Dunkelheit" (destruktive Interferenz) — „Teilchen + Teilchen" können nur mehr werden, sich aber nie gegenseitig auslöschen. Deshalb verlor die Teilchentheorie zunächst.
✎ Warum konnte Maxwell die Lichtgeschwindigkeit aus der Theorie „ausrechnen"? (beliebte Prüfungsfrage) Die Vorgeschichte ist Faraday: Ørsted entdeckte „Strom erzeugt Magnetfeld" (E → M), Faraday vermutete aus Symmetrie auch die Umkehrung — „ein veränderliches Magnetfeld erzeugt Spannung" (M → E, elektromagnetische Induktion) — und führte den Begriff des Feldes ein: Im Raum existieren wirklich elektrische und magnetische Felder. Maxwell nahm diese Felder ernst und fragte: Was passiert mit den Feldlinien, wenn eine Ladung oder ein Magnetpol verändert wird?
- Entdeckung: Die Feldveränderung breitet sich als elektromagnetische Welle aus (damit zeigt Maxwell indirekt, dass Faraday recht hatte: Die Felder existieren). Eine konstant bewegte Ladung trägt ihr Feld nur mit; erst eine beschleunigte Ladung strahlt EM-Wellen ab.
- Wie schnell ist diese Welle? Aus seinen Gleichungen folgt sie aus zwei rein elektromagnetischen Konstanten:
m/s ( elektrische Feldkonstante; magnetische Feldkonstante) — exakt die gemessene Lichtgeschwindigkeit. „Dieser Wert kann kein Zufall sein" → Licht ist eine EM-Welle. - Folge: Elektromagnetismus und Optik werden zur Elektrodynamik vereinigt — ein weiteres Argument für die Wellentheorie. (Ausführlich in Thema 14.)
✎ Wozu brauchte man den Äther — und warum wurde er verworfen? Alle damals bekannten Wellen brauchen einen Träger (Schall/Luft, Wasserwellen/Wasser). Wenn Licht eine Welle ist, „muss" es also ein Medium geben → Hypothese: Der Äther durchzieht den ganzen Raum. Die Annahme widerspricht sich aber selbst: Damit die These aufgeht, müsste er ein Festkörper sein und zugleich extrem fein, damit er die Planeten nicht behindert (Mitschrift §6.1). Verworfen wurde er, weil: Maxwells EM-Welle ist eine Schwingung der Felder selbst — sie braucht kein Medium; ✎ gezielte Suchen nach dem „Ätherwind" (Michelson–Morley, 1887) fanden nichts; Einsteins Spezielle Relativitätstheorie (1905) machte den Äther endgültig überflüssig.
✎ Die Lichtgeschwindigkeit
ist eine Naturkonstante. Im Vakuum ist m/s eine Naturkonstante: Sie hängt nicht von der Bewegung der Lichtquelle ab, nicht vom Beobachter und nicht von Farbe/Wellenlänge — ein einfarbiger Laser und weißes Licht sind im Vakuum gleich schnell. (Genau das wurde später zum Grundpfeiler der Speziellen Relativitätstheorie — siehe Thema 6.) ✎ Kleine Geschichte der
-Messung (Schritt für Schritt).
- Galilei (um 1600) versuchte es mit zwei Personen und Laternen über Berge hinweg: A öffnet seine Laterne, B öffnet die seine, sobald er das Licht sieht, und A misst die Zeit für den Hin- und Rückweg. Ergebnis: Außer der menschlichen Reaktionszeit war nichts zu messen. Daraus schloss er (fälschlich), die Lichtgeschwindigkeit sei unendlich/augenblicklich. Der Fehler: Licht ist viel zu schnell und die irdische Strecke viel zu kurz — die nötige Laufzeit ist weit kleiner als die Reaktionszeit, also gar nicht messbar. Seriös folgern konnte er nur: „Licht ist viel schneller als der Schall."
- Rømer (1676): Er beobachtete, dass die Verfinsterungen des Jupitermondes Io je nach Abstand Erde–Jupiter früher oder später eintreten → die erste Abschätzung, dass die Lichtgeschwindigkeit endlich ist.
- Fizeau (1849, Zahnrad-Methode) und Foucault (1850/1856, Drehspiegel-Methode): Sie maßen
erstmals präzise auf der Erde; Foucault wies dabei auch nach, dass Licht in Wasser langsamer ist (zugunsten von Huygens, siehe oben).
Gegen Ende des 19. Jh. galt Licht als EM-Welle — bis Planck und Einstein einen Fehler der reinen Wellentheorie fanden (den Photoeffekt, §13.2). Die heutige Auflösung ist der Welle-Teilchen-Dualismus: Licht ist beides, je nach Experiment (§13.6).