Skip to content

8.8 Rotation: Translation-Rotation-Analogie

Quelle: ➕ Themenpool · Mitschrift §4.5 (Drehgrößen)

Die ganze Mechanik der geradlinigen Bewegung (Translation) lässt sich auf die Drehbewegung (Rotation) übertragen — jeder Translationsgröße entspricht eine analoge Drehgröße. Wer die linke Spalte kennt, kann die rechte „übersetzen".

Die zentrale Idee: Bei der Drehung zählt nicht nur, wie viel Masse ein Körper hat, sondern auch, wie weit außen sie sitzt — denn weiter außen liegende Masse ist schwerer in Drehung zu versetzen. Genau das fasst das Trägheitsmoment zusammen.

Die vier Drehgrößen

Winkelgeschwindigkeit ω — das Analogon zur Geschwindigkeit v: Wie schnell sich der Drehwinkel ändert (statt „Meter pro Sekunde" jetzt „Radiant pro Sekunde"). Zusammenhang mit der Bahngeschwindigkeit: v=ωr.

Trägheitsmoment I — das Analogon zur Masse m: das Maß für die Trägheit gegen Drehung (den Widerstand, die Drehbewegung zu ändern). Für einen Massenpunkt im Abstand r von der Achse:

I=mr2

Entscheidend: I hängt quadratisch vom Abstand r zur Drehachse ab — dieselbe Masse weiter außen hat ein viel größeres Trägheitsmoment.

Drehmoment M — das Analogon zur Kraft F: die „Drehwirkung" einer Kraft, also Kraft mal Hebelarm:

M=Fr

Rotationsenergie Erot — das Analogon zur kinetischen Energie 12mv2: die Bewegungsenergie eines drehenden Körpers:

Erot=12Iω2
SymbolBedeutungEinheit
ITrägheitsmomentkg·m²
ωWinkelgeschwindigkeitrad/s
MDrehmomentN·m
ErotRotationsenergieJ
rAbstand zur / Hebelarm um die Drehachsem

Die Übersetzungstabelle

Man ersetzt einfach jede Translationsgröße durch ihre Drehentsprechung — die Formeln haben dieselbe Struktur:

Translation (geradlinig)Rotation (Drehung)
Masse mTrägheitsmoment I=mr2
Geschwindigkeit vWinkelgeschwindigkeit ω
Kraft FDrehmoment M=Fr
Impuls p=mvDrehimpuls L=Iω
kinet. Energie 12mv2Rotationsenergie 12Iω2
2. Axiom F=maM=Iα (α = Winkelbeschl.)

Anschluss an §8.6 — derselbe Drehimpuls, zwei Schreibweisen. In §8.6 stand der Drehimpuls als L=mvr. Mit v=ωr und I=mr2 wird daraus: L=m(ωr)r=mr2ω=Iω. Also L=Iω — exakt das Drehanalogon zu p=mv. Das erklärt anschaulich die Drehimpulserhaltung: Zieht eine Eiskunstläuferin die Arme an, verkleinert sie ihr I (Masse rückt nach innen) — weil L=Iω erhalten bleibt, muss ω steigen: Sie dreht sich schneller.

Warum rollt eine Kugel schneller hinunter als ein Ring? Beim Hinabrollen verteilt sich die Lageenergie auf zwei Energieformen: Epot=Ekin+Erot=12mv2+12Iω2. Ein Ring hat seine Masse ganz außen → großes I → es steckt mehr Energie in der Rotation, weniger bleibt für v → er ist unten langsamer. Eine Vollkugel hat ein kleineres I → sie ist unten schneller. (Die Masse fällt heraus — wie schwer der Körper ist, spielt keine Rolle, nur wie die Masse verteilt ist.)