14.4 Stromleitung — die wichtigsten Arten
Quelle: Mitschrift §5.1.4
Metall: Beim Festwerden geben die Atome ihre äußersten Elektronen ab → frei bewegliche Leitungselektronen („Elektronengas"); die positiven Atomrümpfe (Atom ohne diese Außenelektronen) ordnen sich in einem regelmäßigen Gitter an, das Ganze hält durch deren gegenseitige Anziehung zusammen.
✎ Warum leitet Metall so gut? — die Idee Schritt für Schritt.
- Die abgegebenen Elektronen sind nicht mehr an ein einzelnes Atom gebunden, sondern bewegen sich frei durch das ganze Gitter (wie ein Gas zwischen den Atomrümpfen) — daher „Elektronengas".
- Legt man eine Spannung an, entsteht im Leiter ein elektrisches Feld, das auf jedes (negative) Elektron eine Kraft ausübt → die Elektronen driften alle in dieselbe Richtung.
- Strom = Menge bewegter Leitungselektronen pro Zeit. Anschaulich: Das Elektron am Minuspol „stößt" das nächste an (sie stoßen sich gegenseitig ab) — das Signal läuft fast lichtschnell durch, obwohl die einzelnen Elektronen selbst nur langsam driften (wie Kugeln in einem vollen Rohr: schiebt man hinten eine rein, fällt vorne sofort eine raus).
Weitere Arten (Themenpool): Elektrolyt (Ionenleitung in Flüssigkeiten), Gas (Gasentladung, z. B. Blitz, Leuchtröhre), Halbleiter (dotiertes Si/Ge, Elektronen- und „Löcher"-Leitung — Diode, Transistor, Solarzelle), Vakuum (Glühelektronen), Supraleiter (siehe 14.8).
✎ Das Gegenstück sind Isolatoren: Sie haben keine freien Ladungsträger (weder freie Elektronen noch bewegliche Ionen) und leiten bei üblichen Spannungen nicht; bei sehr hoher Spannung können sie aber „durchschlagen" und leitend werden — z. B. wird Luft beim Funken der Influenzmaschine oder beim Blitz ionisiert. ✎ Detail zum Elektrolyten: negative Ionen wandern zum Pluspol, positive Ionen zum Minuspol — beide Ladungsträgersorten leiten gleichzeitig.
Zwei Stromrichtungen: technische Richtung (+ → −, historisch, falsch) und physikalische Richtung (− → +, Bewegung der Elektronen, richtig).
✎ Nachfrage: Die technische Richtung ist bekanntlich „falsch" — warum verwendet man sie trotzdem weiter? Die Konvention ist älter als die Entdeckung des Elektrons: Man hielt den Strom für eine Flüssigkeit („Stromflüssigkeit"), die natürlich vom „Überschuss" (+) zum „Mangel" (−) fließt — die Leidener Flasche wurde gerade deshalb als Flasche gebaut. Erst mit der Entdeckung des Elektrons 1897 wusste man, dass sich im Metall in Wahrheit negative Elektronen bewegen (− → +). Da waren aber alle Schaltpläne und Normen längst auf + → − aufgebaut; und für die Berechnung von Stromkreisen macht es keinerlei Unterschied (negative Ladung in die eine Richtung = gleich viel positive Ladung in die andere). Deshalb behielt die Technik die alte Konvention.