Thema 2 — Raumfahrtphysik
Drei Rechenaufgaben: Satellit auf Kreisbahn · geostationärer Satellit · Fluchtgeschwindigkeit
Roter Faden: Alle drei Aufgaben beruhen auf einem Gedanken — die Gravitationskraft liefert die nötige Zentripetalkraft. Wer das einmal versteht, kann alle drei Formeln selbst herleiten.
Kapitel
- 2.1 Vorab: Was ist die Zentripetalkraft?
- 2.2 Satellit auf einer Kreisbahn
- 2.3 Der geostationäre Satellit
- 2.4 Fluchtgeschwindigkeit
- 2.5 Bahnform abhängig von der Gesamtenergie
Selfcheck
- Warum „fällt" ein Satellit nicht herunter, obwohl die Gravitation auf ihn wirkt?
- Leite
her. Warum spielt die Masse des Satelliten keine Rolle? - Was bedeutet
in den Formeln genau — und welcher häufige Fehler lauert dabei? - Nenne die drei Bedingungen für einen geostationären Satelliten.
- Warum rechnet man mit dem Sterntag (23 h 56 min) und nicht mit 24 h?
- Definiere die Fluchtgeschwindigkeit exakt (was passiert „im Unendlichen"?).
- Wie hängen
und die Kreisbahngeschwindigkeit zusammen? - Wie entscheidet die Gesamtenergie über Kreis-, Parabel- oder Hyperbelbahn?
- Warum kann ein geostationärer Satellit nur über dem Äquator stehen? Warum ist ein „schwebender" Satellit über Wien unmöglich?
- Astronauten auf der ISS sind „schwerelos" — gibt es dort keine Gravitation?
- Warum wird ein Satellit auf niedriger Bahn, den die Atmosphäre durch Reibung abbremst, schneller?
- Kann man aus Höhe und Geschwindigkeit eines Satelliten seine Masse berechnen (Eisenhowers Frage)?
- Sind GPS-Satelliten geostationär? Auf welcher Bahn (Höhe, Umlaufzeit) laufen sie, und warum nicht geostationär?
§§ANTWORTEN
- Er fällt zwar ständig, ist aber so schnell, dass die Erde unter ihm gleich schnell wegkrümmt — er „verfehlt" den Boden immerzu. Die Gravitation liefert dabei genau die nötige Zentripetalkraft (
). (§2.2) - Aus
kürzt sich die Satellitenmasse heraus → . Die Masse ist egal, weil sie auf beiden Seiten steht — auf einer Bahn gilt für jeden Satelliten dieselbe Geschwindigkeit. (§2.2) ist der Bahnradius vom Zentrum des Zentralkörpers, also Erdradius + Flughöhe. Häufiger Fehler: nur die Flughöhe einzusetzen. (§2.2) - Umlaufzeit = ein Sterntag, Bahn über dem Äquator, Lauf in Drehrichtung der Erde. (§2.3)
- Der Sterntag ist eine volle Erddrehung relativ zu den Sternen; für „immer über demselben Erdpunkt" zählt diese echte Drehung. Der Sonnentag (24 h) ist länger, weil die Erde zugleich um die Sonne wandert. (§2.3)
- Geschwindigkeit, um dem Schwerefeld für immer zu entkommen: Startet ein Körper mit genau
, kommt er nach unendlich langer Zeit in unendlicher Entfernung mit der Geschwindigkeit 0 an. (§2.4) — die Fluchtgeschwindigkeit ist das -fache der Kreisbahngeschwindigkeit auf gleicher Höhe (Faktor 2 unter der Wurzel). (§2.4) - Das Vorzeichen von
entscheidet: → gebunden (Kreis/Ellipse); → Parabel ( ); → Hyperbel ( ). (§2.5) - Die Gravitation zeigt zum Erdmittelpunkt, die Zentripetalkraft muss zum Bahnmittelpunkt zeigen → die Bahnebene muss durch den Erdmittelpunkt gehen. Ein Kreis um den Breitengrad von Wien hätte seinen Mittelpunkt auf der Erdachse statt im Erdmittelpunkt — diese Kraft kann die Gravitation nicht liefern; eine geneigte Bahn durch den Erdmittelpunkt pendelt täglich nord-süd. Einzige ruhende Lösung: Bahn in der Äquatorebene. (§2.3)
- Doch — in 400 km Höhe beträgt sie noch ca.
des Oberflächenwerts. „Schwerelos" sind die Astronauten, weil sie mit der Station im freien Fall sind (Umlaufen = Fallen, das den Boden nie erreicht), nicht weil die Gravitation fehlt. (§2.2) - Reibung verringert die Gesamtenergie → die Bahn wird tiefer → nach
bedeutet kleineres ein größeres : Beim Absinken wird mehr potentielle Energie frei, als die Reibung verbraucht — der Überschuss wird kinetische Energie. (§2.2) - Nein — die Satellitenmasse
kürzt sich in auf beiden Seiten heraus; die Bahndaten enthalten keine Masseninformation. Die Masse ist nur über eine Wechselwirkung (z. B. Stoß + Impulserhaltung) messbar. (§2.2) - Nein — GPS-Satelliten laufen auf einer MEO (Medium Earth Orbit) in ca. 20 200 km Höhe mit ~12 h Umlaufzeit, sie „stehen" also nicht still. Nicht geostationär, weil die Ortsbestimmung mehrere Satelliten aus verschiedenen Richtungen braucht (gute Geometrie, keine Pol-Lücken). (§2.3)