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Thema 12 — Kernphysik

Atomaufbau & Periodensystem · Radioaktivität (4 Strahlungsarten) · Nuklidkarte · Halbwertszeit · C-14 · PET

Standardmodell-Hintergrund (Quarks, Leptonen, Grundkräfte) steht in Thema 10 — hier geht es um den Atomkern und seine Umwandlungen. ➕ Achtung (Themenpool-Abdeckung): Der Themenpool §12 listet auch die folgenden Punkte unter diesem Thema; ausführlich in Thema 10: Standardmodell (6 Quarks / 6 Leptonen, Tabelle der vier Wechselwirkungen, Higgs-Boson 2012 am CERN nachgewiesen), Antimaterie (Annihilation e+e+2γ, Materie-Antimaterie-Asymmetrie ~109+1:109), CERN/LHC (Synchrotron, vier Detektoren ATLAS/CMS/ALICE/LHCb, sechs Forschungsziele). Bei diesem Prüfungsthema kann danach mitgefragt werden.

Kapitel

Selfcheck

  1. Definiere Z, N, A. Was sind Isotope, was Ionen?
  2. Nenne die vier Ursachen für Radioaktivität und die zugehörigen Nuklidkartenfarben.
  3. Gib für α, β⁻, β⁺, γ an: woraus sie bestehen und wie sich Z und A ändern.
  4. Erkläre den β⁻-Zerfall auf Quark-Ebene (welches Quark, welches Boson, warum das Antineutrino?).
  5. Wie misst ein Geiger-Müller-Zählrohr Strahlung?
  6. Nenne die 3 A des Strahlenschutzes. Warum wirkt der Abstand quadratisch?
  7. Was ist die Halbwertszeit, und warum ist sie ein statistischer Begriff (Quantenzufall)?
  8. Berechne mit N(t)=N02t/T1/2 den Restanteil von I-131 (T1/2=8 d) nach 40 d.
  9. Wie funktioniert die C-14-Methode, und woher kommt das C-14?
  10. Erkläre PET: vom β⁺-Zerfall über die Annihilation bis zum Bildpunkt. Warum 180°, warum Koinzidenz?
  11. Wie bewegt sich ein Nuklid bei den einzelnen Zerfallsarten auf der Nuklidkarte? Wie kommt ein blaues Nuklid zurück ins Stabilitätstal?
  12. Warum brauchen schwere Kerne einen Neutronenüberschuss (N>Z)? Warum zerfällt ein freies Proton nicht, obwohl β⁺ im Kern möglich ist?
  13. Warum verwendet man in der klinischen PET meist F-18 (FDG) statt O-15?
  14. Beschreibe das Thomson'sche Atommodell (Rosinenkuchenmodell). Wie widerlegte Rutherford es?
  15. Was ist eine Zerfallsreihe? Wie viele α- und β⁻-Zerfälle führen von U-238 zum stabilen Pb-206?
  16. Was bedeutet Inkorporation, und warum versagen dagegen die 3 A? Warum sind eingebaute α-Strahler besonders gefährlich?

§§ANTWORTEN

  1. Z = Protonenzahl (Ordnungszahl), N = Neutronenzahl, A=Z+N = Nukleonenzahl. Isotope: gleiches Z, verschiedenes N (gleiches Element). Ionen: Atome mit veränderter Elektronenzahl (negativ = Überschuss, positiv = Mangel). (§12.1)
  2. Zu viel Massegelb (α); zu viele Neutronenblau (β⁻); zu viele Protonenrot (β⁺); zu viel Energieweiß (γ). Stabil = schwarz. (§12.3)
  3. α = Heliumkern, ΔZ=2, ΔA=4; β⁻ = Elektron, ΔZ=+1, ΔA=0; β⁺ = Positron, ΔZ=1, ΔA=0; γ = EM-Strahlung, ΔZ=ΔA=0. (§12.4)
  4. Ein Down-Quark wird über die schwache Kraft zum Up-Quark; dabei wird ein W-Boson abgestrahlt, das in Elektron + Antineutrino zerfällt. Aus dem Neutron (udd) wird ein Proton (uud); das Antineutrino hat mit der Ladung nichts zu tun (es ist neutral) — es sichert die Erhaltung der Leptonenzahl und trägt einen Teil der Energie weg (→ kontinuierliches β-Spektrum). (§12.4)
  5. Die Strahlung ionisiert das Gas im Rohr; die freien Elektronen bilden einen kurzen Stromfluss (Zählimpuls/„Klick"). So misst man indirekt die Intensität. (§12.5)
  6. Aufenthaltszeit kurz, Abstand groß, Abschirmung (Blei/Stahlbeton). Der Abstand wirkt quadratisch, weil die Strahlung sich auf eine mit r2 wachsende Kugelfläche verteilt → I1/r2. (§12.6)
  7. T1/2 ist die Zeit, nach der die Hälfte der Kerne zerfallen ist. Statistisch, weil es zwar einen Grund fürs Zerfallen gibt, aber keinen für den Zeitpunkt — der ist reiner Quantenzufall (nur bei vielen Atomen sinnvoll). (§12.7)
  8. 40d/8d=5 Halbwertszeiten → N/N0=25=1323,13%. (§12.7)
  9. Lebewesen haben ein konstantes 14C/12C; nach dem Tod zerfällt C-14 (β⁻, T1/25730 a) → aus dem Restgehalt das Alter. C-14 entsteht in der Atmosphäre aus N-14 durch die kosmische Strahlung (Neutron). (§12.8)
  10. Ein β⁺-Strahler sendet ein Positron, das mit einem Elektron annihiliert → zwei 511-keV-γ in 180° (Impulserhaltung). Der Ringdetektor misst sie in Koinzidenz (gleichzeitig) → die Verbindungslinie lokalisiert den Ort (mm-genau). (§12.9)
  11. β⁻: Z+1,N1 → ein Feld nach links oben; β⁺: Z1,N+1 → ein Feld nach rechts unten; α: Z2,N2 → zwei Felder diagonal nach links unten; γ bleibt am Ort. Ein blaues Nuklid (zu viele Neutronen, rechts unterhalb des Tals) klettert über eine Kette von β⁻-Zerfällen nach links oben, bis es im schwarzen Stabilitätstal ankommt. (§12.3)
  12. Die Coulomb-Abstoßung ist langreichweitig und wirkt zwischen allen Protonenpaaren (Z2), die starke Kraft ist kurzreichweitig und hält nur Nachbarn — große Kerne brauchen zusätzliche Neutronen, die „nur anziehen, ohne abzustoßen"; oberhalb von Blei (Z=82) gibt es kein stabiles Nuklid. Das freie Proton ist leichter als das Neutron, pn kostet Energie → frei stabil; im Kern zahlt die Bindungsenergie-Differenz des ganzen Kerns, dadurch wird β⁺ möglich. (§12.3/§12.4)
  13. O-15 hat T1/22 min → muss am Zyklotron vor Ort erzeugt und sofort verwendet werden; F-18 (T1/2110 min) ist langlebig genug für den Transport und steckt im Glukose-Analogon FDG, das sich in Tumoren/aktiven Hirnarealen anreichert. (§12.9)
  14. Im Thomson'schen Atommodell (1904, Rosinenkuchenmodell) ist die positive Ladung gleichmäßig über die Kugel verteilt, die Elektronen sitzen darin wie Rosinen im Kuchen — es gibt keinen Kern. Rutherford widerlegte es: Eine gleichmäßig „verschmierte" positive Ladung könnte α-Teilchen nie zurückstreuen — die beobachtete Rückstreuung verlangt einen kleinen, dichten Kern. (§12.2)
  15. Eine Zerfallsreihe ist die Kette von Zerfällen, bis ein stabiles Endnuklid erreicht ist. Von U-238 → Pb-206: ΔA=32 8 α-Zerfälle; diese senken Z um 16 (auf 76), zum Ziel Z=82 fehlen 6 → 6 β⁻-Zerfälle. Insgesamt 8 α + 6 β⁻ (Uran-Radium-Reihe). (§12.3)
  16. Inkorporation = Aufnahme radioaktiver Stoffe in den Körper (Atmung, Nahrung, Wunden). Die 3 A versagen, weil Abstand (r0) und Abschirmung entfallen und die Zeit nicht frei wählbar ist. Eingebaute α-Strahler sind besonders gefährlich, weil sie ihre ganze Energie auf kürzester Strecke direkt im Gewebe abgeben (Beispiele: Radon-Inhalation, I-131 in der Schilddrüse). (§12.6)