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5.2 Die drei wichtigsten Bewegungsformen

Quelle: Themenpool §5 · Mitschrift §4.3.3

Prüfungs-Intel: „Erkläre die drei Grundformen der Bewegung" stand als erste Aufgabe auf einem echten Klassische-Mechanik-Zettel (Thema 8) — dieser Abschnitt ist themenübergreifend prüfungsrelevant (siehe Thema 8 §8.3).

1) Gleichförmig geradlinige Bewegung

Keine Beschleunigung — weder Betrag noch Richtung von v ändern sich. Beschrieben durch das 1. Newton'sche Axiom.

v=konstant,a=0,v=st

Woher kommt v=s/t? Wenn v konstant ist, ist Durchschnitts- = Momentangeschwindigkeit; der Differenzenquotient Δs/Δt ändert sich nie. Startet man bei s=0 und t=0, wird aus v=ΔsΔt einfach v=st, umgestellt s=vt. s Weg; v (konstante) Geschwindigkeit; t verstrichene Zeit.

Im s-t-Diagramm eine ansteigende Gerade (Steigung =v, weil s=vt eine Geradengleichung mit Steigung v ist), im v-t-Diagramm eine waagrechte Linie (weil v konstant ist). ✎ Der Weg ist im v-t-Diagramm die Fläche unter der Linie: s=vt= Rechteck aus Höhe v und Breite t.

Abbildung: s-t-Diagramm — zwei Geraden durch den Ursprung mit Steigungen v1, v2 (Steigung = Geschwindigkeit).

Abbildung: v-t-Diagramm — zwei waagrechte Linien mit v1>v2 (konstante Geschwindigkeiten).

Abbildung: a-t-Diagramm — die Beschleunigung ist null.

2) Gleichmäßig beschleunigte Bewegung

a ist konstant (Betrag und Richtung). Aus der Ruhe heraus (v0=0, Start bei s=0):

v=at,s=12at2

Woher kommt v=at? Beschleunigung ist die Geschwindigkeitsänderung pro Zeit: a=ΔvΔt. Ist a konstant und startet man bei v0=0, dann ist Δv=v und Δt=t, also a=vt — umgestellt v=at. Im v-t-Diagramm ist das eine ansteigende Gerade durch den Ursprung (Steigung =a).

Woher kommt s=12at2? Hier ist v nicht konstant, also darf man nicht einfach s=vt nehmen. Trick über die Durchschnittsgeschwindigkeit:

  1. Bei konstantem a wächst v linear von 0 auf den Endwert v=at. Der Mittelwert einer Geraden ist der Mittelwert von Anfangs- und Endwert: v¯=0+v2=v2=at2.
  2. Mit der mittleren Geschwindigkeit darf man wieder s=v¯t rechnen: s=at2t.
  3. Zusammenfassen: s=12at2.

Geometrisch dasselbe: Der Weg ist die Fläche unter der v-t-Geraden — ein Dreieck mit Breite t und Höhe v=at, also A=12tat=12at2. (Wer Integrale kennt: s=0tvdt=0tatdt=12at2 — dasselbe Ergebnis.)

Mit Anfangsgeschwindigkeit v0 (allgemeiner Fall): v=v0+at und s=v0t+12at2.

Spezialfall freier Fall (Ursache: Gravitation). ✎ Im Vakuum fallen alle Körper gleich schnell (siehe Galileis Widerspruchsbeweis); die konstante Beschleunigung heißt Erdbeschleunigung g, an der Erdoberfläche g9,81 m/s². Man setzt also einfach ag:

v=gt,s=12gt2

Rechenbeispiel: Ein Stein fällt t=2,5 s von einer Klippe (Luftwiderstand vernachlässigt):

h=12gt2=129,812,52=129,816,2530,7 m,v=gt=9,812,524,5 m/s

Vakuum-/Mond-Test: 1971 ließ Apollo-15-Astronaut D. Scott auf dem Mond Hammer und Feder gleichzeitig los — beide landeten gleichzeitig: Der Mond hat keine Atmosphäre, also keinen Luftwiderstand, und alle Körper fallen mit demselben gMond1,62 m/s² (rund 1/6 des Erdwerts) — alles fällt langsamer, aber untereinander gleich schnell. Das ist die direkte Demonstration von Galileis Behauptung. Außerdem laut Mappe: g9,81 m/s² nimmt von der Erdoberfläche bis in ca. 40 km Höhe nur um etwa 1 % ab — für alle „Alltagsfälle" praktisch konstant.

3) Ungleichmäßig beschleunigte Bewegung

a ändert sich mit der Zeit. Wichtigstes Beispiel: Fall mit Luftwiderstand.

Warum entsteht eine Endgeschwindigkeit? Auf den fallenden Körper wirken zwei Kräfte: die nach unten ziehende Gewichtskraft FG=mg (konstant) und die nach oben bremsende Reibung FR (wächst mit v). Nach dem 2. Newton'schen Axiom gilt ma=FGFR:

  1. Start (v=0): noch keine Reibung, FR=0a=g (voller freier Fall).
  2. Während des Falls: v steigt → FR steigt → die Netto-Kraft FGFR schrumpft → a nimmt ab.
  3. Grenzfall: Wenn FR genauso groß wie FG geworden ist, ist die Netto-Kraft null → a=0v ändert sich nicht mehr. Diese konstante Geschwindigkeit ist die Endgeschwindigkeit vend.

Es gibt zwei Reibungsgesetze — je nachdem, wie die Luft um den Körper strömt:

Newton-Reibung FRv2 (große Geschwindigkeiten, turbulente Strömung (verwirbelte, ungeordnete Luftströmung mit Wirbeln — das Gegenteil von laminar), große Körper). ✎ Warum v2? Der Körper muss pro Sekunde eine Luftmasse zur Seite stoßen. (a) Je schneller er ist, desto mehr Luft trifft er pro Sekunde — diese Menge ist v. (b) Jedes Luftteilchen wird auch noch heftiger weggestoßen, je schneller der Körper ist — der übertragene Impuls pro Teilchen ist ebenfalls v. Beide Effekte multiplizieren sich: FRvv=v2. ✎ Vollständige Formel (Strömungslehre): FR=12cwρAv2. cw Widerstandsbeiwert (von der Form bestimmt); ρ Dichte des Mediums; A angeströmte Querschnittsfläche.

Stokes-Reibung FRv (kleine Geschwindigkeiten, laminare Strömung, kleine Körper) — sie wird beim Millikan-Experiment gebraucht. ✎ Warum nur v? Bei kleinen, langsamen Körpern wird die Luft nicht weggestoßen, sondern gleitet in geordneten Schichten (laminar) am Körper vorbei; gebremst wird er nur durch die innere Reibung (Zähigkeit) der Flüssigkeit, und die ist proportional zum Geschwindigkeitsgefälle — also nur einfach proportional zu v. Für eine Kugel lautet das Stokes-Gesetz FR=6πηrv. η Viskosität (Zähigkeit) des Mediums; r Kugelradius; v Geschwindigkeit.

Größenordnungen der Endgeschwindigkeit (beliebte Nachfrage): Fallschirmspringer (Bauchlage) ca. 55 m/s ≈ 200 km/h; nach dem Öffnen des Schirms wachsen Querschnittsfläche A und damit die Reibung sprunghaft → neue, viel niedrigere Endgeschwindigkeit von ca. 5 m/s (sichere Landung). Ein Regentropfen erreicht nur ca. 7–9 m/s — ohne Luftwiderstand käme er aus 2 km Wolkenhöhe mit v=2gh198 m/s (rund 700 km/h) an, Regen wäre tödlich; erst die Endgeschwindigkeit macht ihn harmlos. Mikrometerkleine Wolken-/Nebeltröpfchen fallen dagegen im Stokes-Regime (klein, langsam, laminar) mit Endgeschwindigkeiten von nur Millimetern pro Sekunde — deshalb scheinen Wolken zu „schweben".

Die drei Bewegungsformen im Überblick (Kriterium: Schau auf a!)

KriteriumFormelnv-t-DiagrammBeispiel
gleichförmig geradliniga=0v=s/twaagrechte LinieAuto mit Tempomat
gleichmäßig beschleunigta= konst. 0v=at, s=12at2Gerade durch den Ursprungfreier Fall; Bremsen
ungleichmäßig beschleunigta zeitabhängigkeine einfache Formel (Schritt für Schritt über ma=FGFR)Kurve, nähert sich vendFall mit Luftwiderstand