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Drei Zettel im echten Prüfungsstil von Prof. Linhart (Zettel 1 = mitgehörte echte Prüfung ★) + Nachfragen-Kette + Antwortschlüssel — inhaltliche Anker im Skript Thema 2. Das Hearing dauert ca. 10 Minuten: erst Herleitung und Zahlen aufs Papier, dann Diskussion am Zettel.

Zettel 1 — Der geostationäre Satellit ★ (echte Prüfung)

Paradigmen-Einstieg: „Im Paradigma der klassischen Mechanik genügt ein einziger Gedanke für die ganze Raumfahrt: Die Gravitation liefert die Zentripetalkraft."

  1. Erkläre: die Bedeutung von Satelliten und ihre Anwendungen — nenne mindestens vier (Fernsehen, Telekommunikation, Wetter, Spionage/Navigation …).
  2. Physikalisches Gesetz: Welches Gesetz steckt hinter dem geostationären Satelliten? Schreibe den Ansatz an (FZP=FG), erkläre alle physikalischen Größen und nenne die drei Bedingungen für eine geostationäre Bahn.
  3. Ableitung durchführen: Leite aus FZP=FG den Bahnradius r=GMT24π23 her.
  4. Einheiten + Rechenbeispiel: In welcher Einheit gehört T eingesetzt? Berechne r mit Zahlen (ME=5,9741024 kg, T86400 s) und daraus die Höhe über der Erdoberfläche.
  5. Alltagsbeispiel zum Schluss: Wohin zeigt die Satellitenschüssel auf eurem Dach — und warum? (Nordhalbkugel)

Zettel 2 — Kreisbahn und ISS

Paradigmen-Einstieg: „Im Paradigma der klassischen Mechanik fällt ein Satellit ständig — er verfehlt nur immerzu den Boden."

  1. Erkläre: Die Gravitation wirkt ständig auf den Satelliten — warum fällt er nicht herunter? (Newtons Gedankenexperiment vom Berg)
  2. Ableitung durchführen: Leite die Kreisbahngeschwindigkeit v=GMr her. Warum kommt die Satellitenmasse im Ergebnis nicht vor?
  3. Nachfrage (Anekdote): Nach Sputnik (1957) fragte Präsident Eisenhower seine Berater: Höhe und Bahngeschwindigkeit sind bekannt — kann man daraus die Masse des Satelliten berechnen?
  4. Rechenbeispiel: Berechne Bahngeschwindigkeit und Umlaufzeit der ISS (h=400 km, RE=6370 km). Was gehört für r eingesetzt — und welcher häufige Fehler lauert?
  5. Begriff: Was ist die erste kosmische Geschwindigkeit? Warum ist die ISS etwas langsamer?
  6. Irrtums-Haken: Die Astronauten auf der ISS sind „schwerelos" — gibt es dort keine Gravitation? (Hinweis: in 400 km Höhe noch ca. 89 %)

Zettel 3 — Fluchtgeschwindigkeit und Bahnformen

Paradigmen-Einstieg: „Im Paradigma der klassischen Mechanik entscheidet allein die Gesamtenergie, ob ein Körper gebunden bleibt oder entkommt."

  1. Erkläre: die Fluchtgeschwindigkeit exakt — was passiert „im Unendlichen"?
  2. Ableitung durchführen: Leite vF=2GMr über die Energieerhaltung her.
  3. Rechenbeispiel: Berechne vF für Erde und Mond (Mond: M=7,351022 kg, r=1,74106 m).
  4. Zusammenhang: Wie hängen vF und die Kreisbahngeschwindigkeit auf gleicher Höhe zusammen? Warum genau 2?
  5. Drei Bahnklassen: Wie entscheidet das Vorzeichen von Eges=mv22GMmr über Ellipse, Parabel oder Hyperbel?
  6. Haken (Brücke zu Thema 11): Was wäre, wenn an einer Oberfläche vF>c0 gälte? Leite daraus den Schwarzschildradius ab. Und: Warum liegen Startplätze nahe am Äquator, und warum startet man nach Osten?

Nachfragen-Kette

  1. „Wohin zeigt Ihre Satellitenschüssel zu Hause — und warum?"
  2. „Warum ein Sterntag und nicht 24 Stunden?"
  3. „Sie haben T in Stunden eingesetzt — was geht da schief?"
  4. „Kann ein Satellit über Wien stehen bleiben?"
  5. „Eisenhowers Frage: Höhe und Geschwindigkeit bekannt — Masse berechenbar?"
  6. „Auf der ISS schweben die Astronauten — gibt es dort keine Gravitation?"
  7. „Je höher die Bahn — schneller oder langsamer?"
  8. „Warum genau 2?"
  9. „Die Reibung bremst den Satelliten — warum wird er dann schneller?"
  10. „Was passiert, wenn vF größer als die Lichtgeschwindigkeit wird?"
  11. „Warum startet man Raketen nach Osten?"
  12. „Was bedeutet eine negative Gesamtenergie?"

§§ANTWORTEN

Zettel 1

  1. Anwendungen: Satellitenfernsehen, Telekommunikation, Wettersatelliten, Spionagesatelliten; dazu Navigation (GPS) und Erdbeobachtung. Bedeutung: Infrastruktur der globalen Kommunikation und Beobachtung — der geostationäre Satellit „steht" am Himmel, die Antenne muss nicht nachgeführt werden. → Skript §2.3
  2. Gesetz: Die Gravitation liefert die Zentripetalkraft, FZP=FG, also mv2r=GMmr2. Größen: m … Satellitenmasse (kg, kürzt sich), M … Erdmasse (kg), G … Gravitationskonstante (6,6741011 N·m²/kg²), r … Bahnradius vom Erdmittelpunkt (m), v … Bahngeschwindigkeit (m/s). Drei Bedingungen: Umlaufzeit = ein Sterntag; Bahn über dem Äquator; in Drehrichtung der Erde. → Skript §2.3
  3. Aus v2=GMr (nach Kürzen von m), mit v=ωr: ω2r2=GMrω2r3=GM; mit ω=2πT: 4π2T2r3=GMr3=GMT24π2r=GMT24π23. → Skript §2.3, Herleitung
  4. T unbedingt in Sekunden: T=243600=86400 s (der exakte Sterntag 86 164 s verschiebt das Ergebnis nur um ~80 km). Einsetzen: $$r = \sqrt[3]{\frac{6{,}674\cdot10^{-11}\cdot5{,}974\cdot10^{24}\cdot86,400^2}{4\pi^2}} = \sqrt[3]{\frac{3{,}99\cdot10^{14}\cdot7{,}46\cdot10^{9}}{39{,}48}} = \sqrt[3]{7{,}54\cdot10^{22}} \approx 4{,}22\cdot10^{7}\ \text{m} \approx 42,200\ \text{km}$$ (Probe: (4,22107)3=7,521022 ✓) Höhe: h=rRE42200637035800 km. Nebenbei: v=2πrT3,1 km/s.
  5. Nach Süden — der geostationäre Satellit kann nur über dem Äquator stehen; von der Nordhalbkugel (Österreich, ca. 48° N) aus liegt der Äquator im Süden. Darum ist die Schüssel fix nach Süden gerichtet und muss nie nachgeführt werden. Schlüsselsatz: „Auf der Nordhalbkugel zeigt die Schüssel nach Süden — zum Satelliten über dem Äquator."Skript §2.3

Zettel 2

  1. Der Satellit fällt tatsächlich ständig — er ist nur so schnell, dass die Erdoberfläche unter ihm gleich schnell wegkrümmt: Er „verfehlt" den Boden immerzu (Newtons Bergkanone, siehe Thema 11 §11.1). → Skript §2.2
  2. mv2r=GMmr2m auf beiden Seiten kürzen → v2=GMrv=GM/r. Die Satellitenmasse steht auf beiden Seiten und fällt weg — Feder und Lastwagen durchlaufen dieselbe Bahn gleich schnell.
  3. Nein — gerade weil sich m herauskürzt, steckt in den Bahndaten keinerlei Masseninformation; die Masse ist nur über eine Wechselwirkung (z. B. Stoß + Impulserhaltung) bestimmbar. → Skript §2.2
  4. r=RE+h=6370+400=6770 km =6,77106 m (häufiger Fehler: nur die Flughöhe h einsetzen!). $$v = \sqrt{\frac{6{,}674\cdot10^{-11}\cdot5{,}974\cdot10^{24}}{6{,}77\cdot10^6}} = \sqrt{5{,}89\cdot10^7} \approx 7670\ \text{m/s} \approx 7{,}7\ \text{km/s}$$ $$T = \frac{2\pi r}{v} = \frac{2\pi\cdot6{,}77\cdot10^6}{7670} \approx 5546\ \text{s} \approx 92\ \text{min}$$ (Probe: 76702=5,88107 ✓) Rund 16 Erdumrundungen pro Tag.
  5. Erste kosmische Geschwindigkeit: Geschwindigkeit einer erdnahen Kreisbahn (r=RE) 7,9 km/s — die kleinste Geschwindigkeit, mit der ein Körper die Erde umrunden kann. Die ISS fliegt 400 km höher, größeres r → kleineres v (7,7 km/s): „je höher, desto langsamer".
  6. Doch — in 400 km Höhe noch ca. 89% des Oberflächenwerts ((6370/6770)2). Schwerelos sind die Astronauten, weil sie mit der Station im freien Fall sind — Umlaufen ist ein Fallen, das den Boden nie erreicht. Genau das ist das Äquivalenzprinzip aus Thema 11: freier Fall ≡ Schwerelosigkeit. → Skript §2.2 · Thema 11 §11.5

Zettel 3

  1. vF ist die Geschwindigkeit, um dem Schwerefeld an der Oberfläche für immer zu entkommen. Exakt: Startet ein Körper mit genau vF, kommt er nach unendlich langer Zeit in unendlicher Entfernung mit v=0 an. → Skript §2.4
  2. Start: Eges=mvF22; im Unendlichen: kinetische Energie aufgebraucht, alles in der Lage. Gleichsetzen: mvF22=mghm kürzen, mal 2: vF2=2gh; mit g=GMr2 und h=r: vF2=2GMrvF=2GM/r. (Sauber: Gesamtenergie an der Oberfläche null setzen, 12mvF2GMmr=0 — dasselbe Ergebnis.) → Skript §2.4, Herleitung
  3. Erde: vF=26,67410115,97410246,37106=1,2510811200 m/s 11,2 km/s. Mond: vF=26,67410117,3510221,74106=5,641062370 m/s 2,4 km/s. (Probe: 112002=1,25108 ✓; 23702=5,6106 ✓)
  4. vF=2vKreis. Beide Formeln nebeneinander: vKreis2=GMr, vF2=2GMr — der einzige Unterschied ist der Faktor 2 unter der Wurzel; Division liefert 2.
  5. Eges<0gebunden (Kreis/Ellipse, Kepler-Bahnen); Eges=0 → genau v=vF, Parabel; Eges>0 → Flucht mit Restgeschwindigkeit, Hyperbel. → Skript §2.5
  6. vF>c0 → nicht einmal Licht entkommt — ein schwarzes Loch. Mit vF=c0: R=2GMc02 (Schwarzschildradius, siehe Thema 11 §11.7). Startplätze: Die Erde dreht sich von West nach Ost; am Äquator bewegt sich der Boden mit ca. 0,46 km/s — wer nach Osten startet, nimmt das als „gratis Anzahlung" mit und spart Treibstoff.

Kurzantworten zur Nachfragen-Kette

  1. Nach Süden — der Satellit steht über dem Äquator; von der Nordhalbkugel aus liegt der im Süden.
  2. Sterntag = volle Erddrehung relativ zu den Sternen (23 h 56 min); für „immer über demselben Punkt" zählt die echte Drehung — die 4 Extra-Minuten des Sonnentags kommen vom Lauf um die Sonne.
  3. Dimensionschaos — in G steckt die Sekunde; T in Stunden macht r um Größenordnungen falsch.
  4. Nein — die Bahnebene muss durch den Erdmittelpunkt gehen; ein Kreis um den Wiener Breitengrad hätte seinen Mittelpunkt auf der Erdachse, diese Zentripetalkraft kann die Gravitation nicht liefern (von der Erde aus bestenfalls eine „8"-Figur).
  5. Nein — m kürzt sich auf beiden Seiten heraus, die Bahndaten enthalten keine Masseninformation.
  6. Doch (ca. 89 %) — Schwerelosigkeit = gemeinsamer freier Fall mit der Station.
  7. Langsamer (v=GM/r: großes r, kleines v); geostationär 3,1 km/s < ISS 7,7 km/s.
  8. Der Faktor 2 unter der Wurzel: vF2/vKreis2=2.
  9. Reibung senkt die Gesamtenergie → tiefere Bahn → kleineres r heißt größeres v: Beim Absinken wird mehr potentielle Energie frei, als die Reibung frisst.
  10. Ein schwarzes Loch — am Ereignishorizont vF=c0, daraus R=2GM/c02.
  11. Die Erde dreht von West nach Ost — der Boden liefert am Äquator 0,46 km/s Anfangsgeschwindigkeit gratis.
  12. Der Körper ist in der Potentialmulde gebunden (Kreis-/Ellipsenbahn) — die Energie reicht nicht bis ins Unendliche.