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Mündliche Probezettel im Original-Stil von Prof. Linhart (10 Minuten Diskussion rund um den Zettel; bei Rechnungen zählt der Ansatz). Skript: Thema 5 · Bewegungen — ★ = nachweislich so geprüft (Prüfungsaufnahme / Hospitationsnotizen).

Zettel 1 — Die drei Bewegungsformen mit Ableitungen (mit ★ themenübergreifender Original-Aufgabe)

„Im Paradigma der klassischen Mechanik, also nicht im Paradigma der SRT, bearbeite die folgenden Aufgaben:"

  1. ★ Erkläre die drei Grundformen der Bewegung (Kriterium, je eine Kennformel, je ein Beispiel). (★ Diese Aufgabe stand wortgleich als erste Aufgabe auf dem echten Klassische-Mechanik-Zettel 2 — themenübergreifend prüfungsrelevant!)
  2. Definiere Geschwindigkeit und Beschleunigung (vom Differenzen- zum Differentialquotienten). Warum ist auch eine Richtungsänderung eine Beschleunigung?
  3. Führe die Ableitungen durch: v=at und s=12at2 (über die mittlere Geschwindigkeit oder die Fläche im v-t-Diagramm).
  4. Rechenbeispiel freier Fall: Ein Stein fällt t=2,5 s von einer Klippe (Luftwiderstand vernachlässigt) — wie tief, wie schnell?
  5. Zeichne und erkläre die Diagramme: s-t / v-t / a-t für die gleichförmige und die gleichmäßig beschleunigte Bewegung.
  6. Philosophischer Haken: Du sitzt in einem geschlossenen, gleichförmig fahrenden Waggon — kannst du durch irgendein Experiment feststellen, dass du dich bewegst? Was hat das mit Galileis Turmargument zu tun?

Zettel 2 — Physik im Straßenverkehr (Brems- und Reaktionsweg)

„Im Paradigma der klassischen Mechanik, also nicht im Paradigma der SRT:"

  1. Erkläre den Anhalteweg: Aus welchen zwei Teilen besteht er, und wie wächst jeder Teil mit v?
  2. Die Schrecksekunde: Woher kommt diese ~1 s, und was verlängert sie?
  3. Führe die Ableitung durch: SB=v22aB — auf zwei Wegen (Kinematik & Energieerhaltung).
  4. Rechenbeispiel: v=130 km/h (österreichisches Autobahnlimit), tR=1 s, aB=7 m/s². Berechne Sv, SB und den Anhalteweg. (Einheitenfalle: km/h → m/s!)
  5. Die Geschwindigkeit verdoppelt sich (50 → 100 km/h) — was passiert mit Bremsweg und Anhalteweg? Warum nicht dasselbe?
  6. Haken (Mappe-Anekdote): Warum „reichte" das Reaktionsvermögen des Neandertalers — und unseres bei 130 km/h nicht?

Zettel 3 — Endgeschwindigkeit und Luftwiderstand

„Im Paradigma der klassischen Mechanik, also nicht im Paradigma der SRT:"

  1. Zu welcher der drei Bewegungsformen gehört der Fall mit Luftwiderstand? Begründe über die Beschleunigung a.
  2. Erkläre Schritt für Schritt, warum eine Endgeschwindigkeit entsteht (ma=FGFR, drei Phasen).
  3. Unterscheide Newton-Reibung (v2) und Stokes-Reibung (v) — warum einmal quadratisch, einmal linear?
  4. Rechenbeispiel: Ein Regentropfen fällt aus 2 km Wolkenhöhe — wie schnell käme er ohne Luftwiderstand an (v=2gh, in km/h umrechnen!)? Real sind es nur ca. 7–9 m/s — warum?
  5. Fallschirmspringer: Was passiert vor und nach dem Öffnen des Schirms? Nenne die Größenordnungen.
  6. Philosophischer Haken: Hammer und Feder bei Apollo 15 — welchen fast zweitausend Jahre alten Streit hat diese Demonstration „entschieden"?

Nachfragen-Kette

  1. „130 km/h — wie viel m/s? Und wie weit kommst du allein in der Schrecksekunde?"
  2. Doppelte Geschwindigkeit — was macht der Bremsweg? Und bei dreifacher?"
  3. „Warum kürzt sich beim Bremsweg die Masse heraus — bremst ein voller LKW (idealisiert) genauso gut wie ein PKW?"
  4. „Was macht ABS physikalisch?"
  5. „Auf Glatteis: um welchen Faktor wird der Bremsweg länger als auf trockenem Beton?"
  6. „Warum ist die Kreisbewegung beschleunigt, obwohl das Tempo konstant bleibt?"
  7. „Warum schweben Wolken — die Tröpfchen sind doch schwerer als Luft?"
  8. Zahlenfrage: „Space Shuttle, 30 m/s² — wie lange bis zur Orbitalgeschwindigkeit 7700 m/s?"
  9. ★-Stil, Original-Aufgabe aus der Mappe: „Ein Gewitter verschlechtert aB von 12 auf 6 m/s²; du reduzierst von 125 auf 85 km/h — reicht das?"
  10. „Der Stein fällt 2,5 s — und auf dem Mond? Schneller oder langsamer, um welchen Faktor?"
  11. g nimmt mit der Höhe ab — ab welcher Höhe merkt man das überhaupt?"
  12. Provokation: „Regen aus 2 km Höhe müsste doch tödlich sein — warum überleben wir ihn?"

§§ANTWORTEN

Zettel 1

  1. Gleichförmig geradlinig (a=0, v=s/t; Auto mit Tempomat) · gleichmäßig beschleunigt (a= konst., v=at, s=12at2; freier Fall, Bremsen) · ungleichmäßig beschleunigt (a zeitabhängig, keine einfache Formel, Analyse über ma=FGFR; Fall mit Luftwiderstand). Schlüsselsatz: „Das Kriterium ist immer die Beschleunigung — schau auf a!" → Skript §5.2
  2. v=limΔt0Δs/Δt=ds/dt (Tangentensteigung der s-t-Kurve); a=dv/dt (Steigung der v-t-Kurve). v ist ein Vektor — er ändert sich schon bei bloßer Richtungsänderung, also ist auch eine Richtungsänderung eine Beschleunigung (darum ist die Kreisbewegung beschleunigt). → Skript §5.1
  3. v=at: a=Δv/Δt konstant, v0=0a=v/tv=at. s=12at2: v wächst linear von 0 auf at, mittlere Geschwindigkeit v¯=at/2, also s=v¯t=12at2 (geometrisch: Dreiecksfläche im v-t-Diagramm). → Skript §5.2 (2)
  4. h=12gt2=129,812,5230,7 m; v=gt=9,812,524,5 m/s (≈ 88 km/h). (Nachgerechnet.)
  5. Gleichförmig: s-t ansteigende Gerade (Steigung =v), v-t waagrecht, a-t bei null; gleichmäßig beschleunigt: s-t Parabel, v-t Gerade durch den Ursprung (Steigung =a), a-t waagrecht. ✎ Die Fläche im v-t-Diagramm = Weg. → Skript §5.2 (1)
  6. Nein: Ruhe und gleichförmige Bewegung sind von innen ununterscheidbar (alle Inertialsysteme gleichberechtigt) — genau die Einsicht von Galileis Turmargument und die Wurzel des 1. Newton'schen Axioms. Schlüsselsatz: „Ruhe und gleichförmige Bewegung sind von innen ununterscheidbar." → Wissenschaftsgeschichte §7.4

Zettel 2

  1. SAnhalt=Sv+SB: Reaktionsweg Sv=vtR (wächst linear — hier fährt man noch mit vollem Tempo!) + Bremsweg SB=v2/(2aB) (wächst quadratisch). → Skript §5.3
  2. Physiologische Reaktionskette: Auge sieht → Gehirn erkennt + entscheidet → Fuß wechselt aufs Bremspedal, ca. 1 s; Müdigkeit, Alkohol und Handy verlängern sie deutlich. → Skript §5.3
  3. Kinematik: Bremszeit t=v/aB; SB=v¯t=v2vaB=v22aB. Energie: Bremsarbeit = kinetische Energie, maBSB=12mv2, das m kürzt sich → SB=v22aB. Schlüsselsatz: „Die Bremse muss die gesamte kinetische Energie wegbremsen — deshalb steckt das v2 drin."
  4. v=130/3,636,1 m/s; Sv=36,1136 m; SB=36,1227=13031493 m; SAnhalt129 m — mehr als ein Fußballfeld. (Nachgerechnet.)
  5. Bremsweg vervierfacht sich ((2v)2=4v2: 14 m → 56 m), Anhalteweg verdreifacht sich (28 m → 84 m) — weil der Reaktionsweg nur linear mitwächst. Schlüsselsatz: „Doppelte Geschwindigkeit → vierfacher Bremsweg, aber nur dreifacher Anhalteweg — der Reaktionsweg wächst ja nur linear." (Dreifaches Tempo → neunfacher Bremsweg.) → Skript §5.3
  6. Das Reaktionsvermögen des Neandertalers passte zu den Geschwindigkeiten, die er im Laufen erreichte; die Evolution hat uns kein schnelleres Nervensystem mitgegeben — bei 130 km/h fährt dieselbe Reaktionskette. Deshalb muss die Physik (nicht die Intuition) das Urteil übernehmen. → Skript §5.3

Zettel 3

  1. Ungleichmäßig beschleunigte Bewegung: a ändert sich mit der Zeit (von g hinunter auf 0) — also weder gleichförmig noch gleichmäßig beschleunigt. → Skript §5.2 (3)
  2. Drei Phasen: ① Start v=0, FR=0a=g; ② v steigt → FR steigt → Netto-Kraft FGFR schrumpft → a nimmt ab; ③ FR=FGa=0v konstant = Endgeschwindigkeit vend. Schlüsselsatz: „Wenn Reibung und Gewichtskraft gleich groß sind, ist die Beschleunigung null — die Geschwindigkeit bleibt konstant."
  3. Newton (schnell, turbulent, große Körper): pro Sekunde getroffene Luftmenge v, übertragener Impuls pro Teilchen ebenfalls v → multipliziert FRv2. Stokes (langsam, laminar, kleine Körper, gebraucht beim Millikan-Experiment): nur die Zähigkeit bremst → FRv (Kugel: FR=6πηrv). → Skript §5.2 (3)
  4. v=2gh=29,812000198 m/s713 km/h — Regen wäre tödlich. Real wächst die Reibung mit v, bis sie die Gewichtskraft ausgleicht: Endgeschwindigkeit nur ca. 7–9 m/s, der Regen ist harmlos. (Nachgerechnet.)
  5. Bauchlage ca. 55 m/s ≈ 200 km/h; nach dem Öffnen wachsen Querschnittsfläche A und Reibung sprunghaft → neue, viel niedrigere Endgeschwindigkeit ca. 5 m/s (sichere Landung).
  6. Den Streit um den freien Fall (Galilei vs. Aristoteles/Scholastik): Im Vakuum (der Mond hat keine Atmosphäre) landen Hammer und Feder gleichzeitig — alle Körper fallen gleich schnell, gMond1,62 m/s². → Wissenschaftsgeschichte §7.4 · Skript §5.2 (2)

Nachfragen

  1. 130/3,636,1 m/s; in der Schrecksekunde Sv36 m — noch ohne jede Bremsung.
  2. Bremsweg vervierfacht (22); dreifaches Tempo → neunfach (32).
  3. Weil die maximale Bremskraft die Haftreibung FB,max=μmg ist; eingesetzt in F=ma folgt aB,max=μg — die Masse kürzt sich; idealisiert also ja (real spielen Reifen und Bremsen-Wärmekapazität mit).
  4. ABS verhindert das Blockieren: Gleitreibung < Haftreibung, ein blockiertes Rad bremst schlechter; rollend bleibt das Auto außerdem lenkbar.
  5. Etwa Faktor 5–8 (trockener Beton aB8 m/s², Glatteis nur 11,5 m/s²).
  6. Weil sich die Richtung von v ständig ändert — eine Richtungsänderung ist eine Beschleunigung; die zugehörige Kraft ist die Zentripetalkraft. → Thema 8 §8.7
  7. Mikrometerkleine Tröpfchen fallen im Stokes-Regime (klein, langsam, laminar) mit Endgeschwindigkeiten von nur Millimetern pro Sekunde — zu langsam, um es zu sehen.
  8. t=v/a=7700/30257 s4,3 min.
  9. Ja: Im Regen nach der Reduktion SB=23,622646,5 m < vorher 34,7221250 m; weil v quadratisch eingeht, genügt eine maßvolle Tempoverringerung. (Nachgerechnet.)
  10. Langsamer: gMond1,62 m/s² ≈ 1/6 des Erdwerts — in 2,5 s nur 121,626,255,1 m (Erde: 30,7 m).
  11. Bis ca. 40 km Höhe nimmt g nur um etwa 1 % ab — für alle „Alltagsfälle" ist g konstant.
  12. Wegen der Endgeschwindigkeit: Die Reibung wächst mit v, bis sie die Gewichtskraft aufhebt — der Tropfen landet sanft mit ca. 7–9 m/s statt mit 2gh200 m/s.