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Zielformeln:

aZ=v2r=ω2r,FZ=mv2r=mω2r

Gültigkeitsbereich/Annahmen: gleichförmige Kreisbewegung (Bahngeschwindigkeit v=konst., Radius r=konst.); nur die Richtung der Geschwindigkeit ändert sich, nicht ihr Betrag; die geometrische Herleitung wird im Grenzwert Δt0 exakt.

Verwendete Formeln

FormelNameFormelnheft
a¯=ΔvΔtDurchschnittsbeschleunigung (Beschleunigung = Änderungsrate des Geschwindigkeitsvektors)✅ S. 2 („Durchschnittsbeschleunigung")
F=maNewton'sches Axiom (Aktionsprinzip)✅ S. 2 („Newton'sches Axiom")
v=ωrBahngeschwindigkeit (im Heft vektoriell v=ω×r)✅ S. 2 („Bahngeschwindigkeit")
ω=ΔφΔt=2πfWinkelgeschwindigkeit✅ S. 2 („Winkelgeschwindigkeit")
aZ=ω2r=v2rZentripetalbeschleunigung — Zielformel selbst im Heft✅ S. 2 („Zentripetalbeschleunigung")
FZ=mω2r=mv2rZentripetalkraft — Zielformel selbst im Heft✅ S. 2 („Zentripetalkraft")
W=Fs=FscosαArbeit — für das Argument „verrichtet keine Arbeit"✅ S. 2 („Arbeit")
Ähnliche-Dreiecke-Argument Δvv=ΔsrKern der geometrischen Herleitung❌ nicht im Formelnheft — bei der Prüfung mit Skizze selbst herleiten

Herleitung (Schritt für Schritt)

A) Warum die Kreisbewegung eine Beschleunigung hat (Klärung der Voraussetzung)

  1. Geschwindigkeit ist ein Vektor: Betrag (Tempo) und Richtung.
  2. Auf der Kreisbahn ändert v ständig die Richtung (immer tangential), auch wenn der Betrag konstant bleibt.
  3. Beschleunigung ist definiert als Änderungsrate des Geschwindigkeitsvektors (a¯=Δv/Δt) — schon eine Richtungsänderung ist Beschleunigung. Die gleichförmige Kreisbewegung ist also eine beschleunigte Bewegung und braucht eine Kraft.

B) Geometrische Herleitung aZ=v2r (ähnliche Dreiecke)

  1. Zwei benachbarte Zeitpunkte wählen. Der Körper passiert im kleinen Zeitabstand Δt zwei Punkte P1, P2 der Kreisbahn. Der zurückgelegte Bogen ist vΔt; die Sehne zwischen den Punkten heiße Δs. Näherung: Für kleines Δt gilt Sehne ≈ Bogen, also ΔsvΔt (diese Näherung wird beim abschließenden Grenzübergang exakt).
  2. Zwei Dreiecke zeichnen.
    • Ortsdreieck: aus zwei Radien r (zu P1, P2) und der Sehne Δs — gleichschenklig, Spitzenwinkel Δφ.
    • Geschwindigkeitsdreieck: v1, v2 an denselben Anfangspunkt verschieben, die Spitzen verbinden: Δv=v2v1 — ebenfalls gleichschenklig (beide Schenkel haben Länge |v|=v, der Betrag ist konstant). Da die Geschwindigkeit stets senkrecht auf dem Radius steht (tangential), dreht sich v um denselben Winkel wie der Radius: Spitzenwinkel ebenfalls Δφ.
  3. Ähnlichkeit ausnutzen. Zwei gleichschenklige Dreiecke mit gleichem Spitzenwinkel sind ähnlich ⇒ entsprechende Seiten stehen im gleichen Verhältnis (Basis zu Schenkel):Δvv=Δsr
  4. Nach Δv auflösen (beide Seiten mal v) und ΔsvΔt einsetzen:Δv=vrΔsvrvΔt=v2rΔt
  5. Zurück zur Definition der Beschleunigung (S. 2) und Grenzwert nehmen. a=ΔvΔtv2r. Hier wird der Grenzwert Δt0 genommen, weil: ① Sehne → Bogen macht die Näherung aus Schritt 1 exakt; ② die Richtung von Δv strebt gegen senkrecht zu v, zum Kreismittelpunkt hin (im gleichschenkligen Dreieck steht die Basis für Spitzenwinkel 0 senkrecht auf den Schenkeln). AlsoaZ=v2r(Richtung: zum Mittelpunkt — daher „zentripetal")

C) ω-Methode (beide Schreibweisen des Formelnhefts ineinander überführen)

  1. Zusammenhang Winkel- und Bahngeschwindigkeit (S. 2): Beim Drehwinkel Δφ wird der Bogen Δs=rΔφ zurückgelegt (Definition der Bogenlänge im Bogenmaß); beide Seiten durch Δt:v=ωr
  2. In das Ergebnis von B einsetzen (v=ωr in aZ=v2/r):aZ=(ωr)2r=ω2r2r=ω2r(Ein r kürzen — reine Algebra.) Umgekehrt genauso: ω=v/r in aZ=ω2r liefert sofort v2/r. Beide Schreibweisen sind äquivalent:aZ=ω2r=v2r

D) Zentripetalkraft FZ=mv2r

  1. Newton'sches Axiom (S. 2): Beschleunigung erfordert eine Kraft, F=ma.
  2. a=aZ einsetzen:FZ=mv2r=mω2r(Richtung: wie aZ, zum Mittelpunkt)
  3. Begriffliche Erinnerung: Die Zentripetalkraft ist keine eigenständige Naturkraft, sondern eine Rolle, die von vorhandenen Kräften übernommen wird — Satellit: Gravitation; Hammerwerfer: Seilkraft; Elektron im Atom: Coulomb-Kraft. (Die Zentrifugalkraft ist dagegen eine Scheinkraft im rotierenden Bezugssystem.)

E) Die Zentripetalkraft verrichtet keine Arbeit (Fv)

  1. Definition der Arbeit (S. 2): W=Fscosα, α = Winkel zwischen Kraft und Weg.
  2. Geometrische Tatsache: Die Zentripetalkraft zeigt zum Mittelpunkt, der momentane Weg ist tangential ⇒ α=90°, cos90°=0.
  3. Folgerung:W=FZscos90°=0Die Zentripetalkraft ändert also nur die Richtung der Geschwindigkeit, nicht ihren Betrag — konsistent mit „gleichförmige Kreisbewegung": keine Arbeit ⇒ kinetische Energie konstant ⇒ v konstant.

Variablentabelle

SymbolBedeutungSI-Einheit
aZZentripetalbeschleunigung (zum Mittelpunkt)m/s²
FZZentripetalkraft (zum Mittelpunkt)N
mMasse des umlaufenden Körperskg
vBahngeschwindigkeit (tangential, Betrag konstant)m/s
rBahnradiusm
ωWinkelgeschwindigkeit (360°=2π rad)rad/s
Δφüberstrichener Winkel im kleinen Zeitintervallrad
ΔsSehne zwischen P1 und P2 (im Grenzwert = Bogen)m
Δv, ΔvGeschwindigkeitsdifferenzvektor und sein Betragm/s
Δtkleines Zeitintervall (Grenzwert 0)s
fFrequenz (tritt in ω=2πf auf)Hz
WArbeit (hier =0)J
αWinkel zwischen Kraft und Weg (hier 90°)° (bzw. rad)

Verknüpfungen

  • Die Zentripetalkraft wird von der Gravitation übernommen ⇒ Satellitenbahnen → H05
  • Fv verrichtet keine Arbeit" beruht auf der Definition der Arbeit → H02
  • Skript: Thema 8 §8.7 (Begriff, FZ=mv2/r, Scheinkraft-Diskussion), Thema 2 §2.1 (dieselbe Vorbereitung), Thema 5 §5.1 (Beschleunigung = Änderung des Geschwindigkeitsvektors)