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Zielformeln:

v=at,s=12at2,v=gt,s=12gt2,Sv=vtR,SB=v22aB

Gültigkeitsbereich/Annahmen: konstante Beschleunigung (a=konst., nach Betrag und Richtung); Start aus der Ruhe (v0=0) am Ursprung (s0=0); für den freien Fall zusätzlich Luftwiderstand vernachlässigt und g nahe der Erdoberfläche als konstant betrachtet; beim Bremsen aB=konst.

Verwendete Formeln

FormelNameFormelnheft
a¯=ΔvΔtDurchschnittsbeschleunigung✅ S. 2 („Durchschnittsbeschleunigung")
v¯=ΔsΔtDurchschnittsgeschwindigkeit✅ S. 2 („Durchschnittsgeschwindigkeit")
F=maNewton'sches Axiom (Aktionsprinzip)✅ S. 2 („Newton'sches Axiom")
W=FsArbeit — für die Energie-Herleitung✅ S. 2 („Arbeit")
Ekin=mv22Kinetische Energie — für die Energie-Herleitung✅ S. 2 („Kinetische Energie")
v=at, s=12at2Bewegungsgleichungen (gleichm. beschleunigt)❌ nicht im Formelnheft — bei der Prüfung selbst aus a¯=Δv/Δt herleiten (siehe unten)
Sv=vtR, SB=v22aBVorbremsstrecke / Bremsstrecke❌ nicht im Formelnheft — bei der Prüfung selbst herleiten

Herleitung (Schritt für Schritt)

A) v=at (aus der Definition der Durchschnittsbeschleunigung)

  1. Voraussetzungen festhalten. Sei a=konst. und v0=0 bei t=0. (Annahmen zuerst: ohne sie gilt die folgende Vereinfachung nicht.)
  2. Definition anschreiben. Durchschnittsbeschleunigung (Formelnheft S. 2):a¯=ΔvΔt
  3. Konstanz von a ausnutzen. Bei konstanter Beschleunigung hat der Differenzenquotient in jedem Zeitintervall denselben Wert, also a¯=a. (Das ist genau die Bedeutung von „gleichmäßig beschleunigt".)
  4. Intervall einsetzen. Von 0 bis t: Δv=v0=v, Δt=t0=t, alsoa=vt
  5. Beide Seiten mit t multiplizieren (algebraisches Umformen, erlaubt wegen t>0):v=atIm v-t-Diagramm ist das eine Gerade durch den Ursprung mit Steigung a.

B) s=12at2 (Methode der Durchschnittsgeschwindigkeit / Fläche im v-t-Diagramm)

  1. Problem benennen. Hier ist v nicht konstant — s=vt ist daher unzulässig; man muss mit der Durchschnittsgeschwindigkeit v¯ arbeiten.
  2. Durchschnittsgeschwindigkeit bestimmen. Nach A) wächst v linear von 0 auf den Endwert v=at. Der Mittelwert einer linear veränderlichen Größe ist das arithmetische Mittel von Anfangs- und Endwert (Symmetrie der Geraden um die Intervallmitte):v¯=0+v2=v2=at2
  3. Wegformel mit v¯ anwenden. Aus v¯=ΔsΔt (Formelnheft S. 2) mit Δs=s0=s, Δt=t folgt s=v¯t. Einsetzen von Schritt 2:s=at2t
  4. Zusammenfassen (Potenzen von t kombinieren):s=12at2
  5. Geometrische Kontrolle (Fläche im v-t-Diagramm). Weg = Fläche unter der v-t-Kurve, hier ein Dreieck der Breite t und Höhe v=at:A=12tat=12at2(Mit Integralrechnung: s=0tatdt=12at2 — dasselbe Ergebnis.)

C) Spezialfall: Freier Fall

  1. Bedingungen des Spezialfalls. Ohne Luftwiderstand fallen nahe der Erdoberfläche alle Körper mit derselben konstanten Beschleunigung g (Fallbeschleunigung, Formelnheft S. 1: g=9,807 m/s²). Das ist genau der Fall „a=konst.".
  2. Ersetzung ag (alle Voraussetzungen von A und B erfüllt, Ergebnisse übernehmen):v=gt,s=12gt2
  3. Rechenbeispiel (unabhängig nachgerechnet): Stein fällt t=2,5 s: s=129,812,52=129,816,2530,7 m, v=9,812,524,5 m/s. ✓ (stimmt mit Thema 5 überein)

D) Vorbremsstrecke Sv=vtR

  1. Physikalische Situation. Während der Reaktionszeit tR („Schrecksekunde", ca. 1 s) wird noch nicht gebremst — das Auto fährt mit konstanter Geschwindigkeit v weiter: gleichförmig geradlinige Bewegung (a=0).
  2. Bei konstantem v ist der Differenzenquotient konstant. v konstant ⇒ v¯=v; Umformen von v¯=Δs/Δt:Sv=vtRSv wächst linear mit v.

E) Bremsstrecke SB=v22aB — zwei Herleitungen

Herleitung 1 (kinematisch). Bremsen ist eine gleichmäßig beschleunigte Bewegung in Gegenrichtung: aB=konst., v nimmt linear von v auf 0 ab.

  1. Bremszeit bestimmen. Endgeschwindigkeit null: 0=vaBt. Umstellen und durch aB dividieren (erlaubt wegen aB0):t=vaB
  2. Durchschnittsgeschwindigkeit. v nimmt linear von v auf 0 ab ⇒ Mittelwert = Mittel aus Anfangs- und Endwert (gleiche Begründung wie B, Schritt 2):v¯=v+02=v2
  3. In die Wegformel SB=v¯t einsetzen:SB=v2vaB
  4. Zusammenfassen:SB=v22aB(Äquivalente Kontrolle: s=12aBt2 mit t=v/aB: SB=12aBv2aB2=v22aB ✓)

Herleitung 2 (Energie). Dieselbe Formel über den Arbeit-Energie-Zusammenhang — die v2-Abhängigkeit wird sofort sichtbar.

  1. Kinetische Energie vor dem Bremsen (Formelnheft S. 2): Ekin=12mv2.
  2. Bremsarbeit. Bremskraft FB=maB (Newton'sches Axiom, S. 2); sie verrichtet längs SB die Arbeit (Kraft antiparallel zum Weg, hier nur Beträge): W=FBSB=maBSB (Arbeit, S. 2).
  3. Energiebilanz. Stillstand heißt: Die gesamte kinetische Energie wird durch die Bremsarbeit „vernichtet" (in Wärme umgewandelt):maBSB=12mv2
  4. Masse m kürzen (beide Seiten durch m dividieren, erlaubt wegen m>0) — die Bremsstrecke ist massenunabhängig:aBSB=12v2
  5. Nach SB auflösen (durch aB dividieren):SB=v22aBBeide Wege liefern dasselbe. SBv2: doppelte Geschwindigkeit → vierfache Bremsstrecke ((2v)2=4v2).

Rechenbeispiel (unabhängig nachgerechnet, aB=7 m/s², tR=1 s): v=130 km/h =130/3,636,1 m/s:

Sv=36,1136 m,SB=36,1227=13031493 m,SAnhalte129 m

Variablentabelle

SymbolBedeutungSI-Einheit
a, a¯(Durchschnitts-)Beschleunigungm/s²
vGeschwindigkeit (beim Bremsen: Geschwindigkeit zu Bremsbeginn)m/s
v0Anfangsgeschwindigkeit (hier =0)m/s
v¯Durchschnittsgeschwindigkeitm/s
sWegm
tZeits
Δv, Δt, ΔsÄnderungen von Geschwindigkeit/Zeit/Wegm/s · s · m
gFallbeschleunigung =9,807 m/s² (Formelnheft S. 1; im Skript meist 9,81)m/s²
SvVorbremsstrecke (Reaktionsweg)m
tRReaktionszeit (ca. 1 s)s
SBBremsstreckem
aBBremsbeschleunigung (trockene Fahrbahn ca. 7–8 m/s²)m/s²
mMasse des Autos (tritt in der Energie-Herleitung auf, kürzt sich)kg
FBBremskraftN
EkinKinetische EnergieJ
WArbeitJ

Verknüpfungen

  • Herkunft von Ekin=12mv2 (für die Energie-Herleitung) → H02
  • Dasselbe „Masse kürzt sich"-Muster (v=2gh) → H03
  • Skript: Thema 5 §5.2 (v=at, s=12at2, freier Fall), Thema 5 §5.3 (Sv, SB doppelt hergeleitet), Thema 8 §8.5 (Arbeit & kinetische Energie)